Studie: Arbeitslosigkeit fördert Rechtsextremismus

26. August 2005, 16:18
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Hohe Erwerbslosenquote erhöht die Existenzangst auch bei denen, die Arbeit haben

Bonn - Eine hohe Arbeitslosenquote fördert den Rechtsextremismus. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Universität Bonn, des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der Universität Zürich. Das bedeute aber nicht, dass rechtsextreme Straftaten vor allem von Arbeitslosen begangen werden, erklärte Armin Falk von der Uni Bonn. Der Zusammenhang sei "viel komplexer". So erhöhe eine hohe Erwerbslosenquote die Existenzangst auch bei denen, die Arbeit hätten. "In einem solchen Umfeld sinkt dann die Bereitschaft, Zivilcourage zu zeigen und gegen rechtsextreme Ausschreitungen einzutreten", betonte der Wissenschaftler. Dies wirke wie eine "zusätzliche Ermutigung für die eigentlichen Täter".

Beispiel Hoyerswerda

Als Beispiel nannte Falk Hoyerswerda. In der brandenburgischen Stadt hatten Rechtsradikale 1991 tagelang Ausländer attackiert, ohne dass andere Bürger eingriffen. Vielmehr hätten Augenzeugen die Tat noch mit Beifall unterstützt. Die "Ost-Sozialisation" ist der Studie zufolge als Sündenbock für rechtsextreme Straftaten allerdings ungeeignet. Zwar war die Zahl rechter Straftaten in den ostdeutschen Ländern im Unterschungszeitraum von 1996 bis 1999 knapp dreimal so hoch wie im Westen. Allerdings lag auch die Arbeitslosenquote im Osten um mehr als sieben Prozent über dem Westniveau.

Widerstand

Die Studie widerlegt damit auch Äußerungen des brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), der im Zusammenhang mit den neun getöteten Babys von Brieskow-Finkenheerd neben der angeblichen "Proletarisierung" der Ostdeutschen auch Defizite bei der Wertevermittlung in der DDR als Gründe für Gewalt und Verrohung angeführt hatte. Er stieß damit auf massiven Widerstand auch in den eigenen Reihen.

Die Wissenschaftler werteten für ihre Studie mehr als 44.000 rechtsextreme Straftaten aus, die zwischen 1996 und 1999 registriert wurden, und verglichen sie je nach Bundesland mit den Arbeitslosenzahlen. (APA/AFP)

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