Neues Leben auf dem Schlachthof

14. März 2006, 17:40
posten

St. Marx putzt sich raus: der Biedermeierfriedhof wird restauriert, der Schlachthof mit der denkmalgeschützten Rinderhalle umgebaut

Wien – Das von Günter Domenig entworfene und im letzten Jahr fertig gestellte T-Center war nur ein erster Schritt: Der Erdberger Stadtteil St. Marx wird in den nächsten Jahren 2. Spalte viele Veränderungen erfahren. Ein wichtigen Platz nimmt dabei das Areal rund um die so genannte Rinderhalle am ehemaligen Schlachthof St. Marx ein.

Dort befindet sich historisch wertvolle Bausubstanz, wie das Hauptportal an der Viehmarktgasse mit den vom Bildhauer Anton Schmidgruber gestalteten Stierskulpturen, das ehemalige Verwaltungsgebäude, in dem seit letztem Jahr Fernseh- und Filmstudios sowie das Lokal "Marx" von EU-Abgeordneter Karin Resetarits untergebracht sind – und natürlich die Rinderhalle. Die schmiedeeiserne Halle wurde in den Jahren 1879 bis 1881 nach den Plänen von Rudolf Frey errichtet und steht mittlerweile aufgrund ihrer nahezu einzigartigen Eisenskelettkonstruktion unter Denkmalschutz.

Bis November soll die Sanierung der tragenden Konstruktion abgeschlossen sein. Bis dahin versucht die Wiener Stadtentwicklungsgesellschaft gemeinsam mit den verantwortlichen Abteilungen der Stadt, Nutzungsmöglichkeiten für die zwei Hektar große Halle auszuloten.

Gemischte Nutzung

Klaus Vatter, dem Leiter der Abteilung für Stadtteilplanung, schwebt eine gemischte Nutzung aus Gastronomie, Unterhaltung und Kultur vor. Ein Teil könnte für Veranstaltungen oder Floh- und Blumenmärkte zur Verfügung stehen. Dutzende Architekten haben sich bereits den Kopf über eine – wirtschaftlich vertretbare – Lösung den Kopf zerbrochen, keines der bisher vorliegenden 20 Konzepte sei jedoch tragfähig. Schließlich muss innerhalb der Halle gebaut werden, "ohne deren Ba 4. Spalte silikacharakter zu zerstören", erklärt Vatter. Der noch bestehende Fleisch-Großmarkt wird innerhalb der nächsten drei Jahre abgesiedelt.

Forschungscluster und Büroprojekt

Im Juni hat der Gemeinderat bereits zwei weitere Bebauungspläne beschlossen. Die alten Ziegelgebäude entlang der Viehmarktgasse sollen teilweise abgebaut und einem Forschungs-Cluster beim Bio- Zentrum weichen. Auf dem Gelände der ehemaligen Wurstfabrik in Richtung Baumgasse haben die Architekten Ernst Hoffmann und Dieter Hayde ein Wohn- und Büroprojekt geplant. Kurz vor der Realisierung steht hingegen das "Karree St. Marx" zwischen Schlachthaus- und Viehmarktgasse – ebenfalls ein Geschäfts- und Wohnprojekt von den Architekten Markus und Kinayeh Geiswinkler.

In St. Marx – übrigens benannt nach der alten Form von St. Markus, dem Namensgeber für ein mittelalterliches Spital in diesem Gebiet – wird aber nicht nur neu gebaut. Am Freitag wurde durch Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) der Startschuss für die Restaurierung des St. Marxer Friedhof gegeben. Er ist nicht nur der weltweit letzte erhaltene große Biedermeierfriedhof, sondern auch der Begräbnisort von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Projekt wird bis 9,5 Millionen Euro kosten – 2006 wird das Mozartjahr gefeiert.

Tangente als Problem

Witterung und andere Umwelteinflüsse haben den Gräbern zugesetzt und gefährden das Kulturdenkmal, das heute ein Park ist. Als erste Maßnahme wurden eine Datenbank mit 8000 Gräbern erstellt.

Auch in den angrenzenden Vierteln tut sich viel: Ende 2006 werden die Bauarbeiten auf den Aspanggründen starten, wo der Stadtteil "Eurogate" entstehen wird. Im Bereich des Gasometer werden noch dieses Jahr die Baugenehmigungen für das Projekt "Town Town" erwartet. (Karin Krichmayr, Peter Mayr, DER STANDARD Printausgabe, 20./21.08.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wo vorher Schlachthof war, soll bald neues Leben entstehen

Share if you care.