Eingangstests für Pädagogen

22. März 2006, 16:08
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Bildungsministerin Gehrer bekommt Unterstützung von ungewohnter Seite: Der Rechnungshof fordert Eingangstest für Lehramtsstudenten

Wien - Auf Seite 83 des aktuellen Wahrnehmungsberichtes verdeutlicht der Rechnungshof seine Vorstellung, wie die Universitätslandschaft in Österreich künftig aussehen sollte: "Vor Beginn eines Lehramtsstudiums sollte ein Eingangstest absolviert werden."

Im Bildungsministerium versteht man das als Bestätigung der hausinternen Linie, nur "entsprechend qualifiziertes und motiviertes Personal" in die Schulklassen zu lassen.

Freilich gebe es eine "Alternative zu Eignungstests". Am liebsten eine Studieneingangsphase, für die Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) bereits wiederholt ihre Präferenz geäußert hat.

Über einen Zeitpunkt, wann die Studienplatzbeschränkung für Lehramtsanwärter in Kraft treten könnte, will sich Gehrer aber keine Gedanken machen - schließlich falle diese Entscheidung allein den autonomen Universitäten zu.

Parteikollegin Eva Scholik denkt dann doch etwas konkreter über die Umsetzung der Rechnungshofempfehlung nach. Die Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft sagt im STANDARD-Gespräch: "Wenn das für alle Studienrichtungen gemacht wird, habe ich mit einem Eignungstest für das Lehramt kein Problem."

Scholik erwartet, "dass man das für das nächste Studienjahr schon vorbereiten wird, und das würde mir auch sehr sinnvoll erscheinen". Freilich will sie "keine punktuelle Prüfung", vielmehr sollen "Maturazeugnis, psychologische und fachspezifische Tests" über "Lehrer" oder "nicht Lehrer" entscheiden.

"Salonfähig"

Ausgeschlossen, wenn es nach SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal geht. Überhaupt laufe die Diskussion in die falsche Richtung. "Ich wehre mich dagegen, nur mehr darüber zu diskutieren, wie man den Mangel intelligent verwalten kann." Den Mangel an Geld nämlich. 178 Millionen Euro fehlen den heimischen Universitäten in den Jahren 2007 bis 2009. Dass man jetzt nur mehr darüber redet, wie der Andrang beschränkt werden soll, kann Broukal nicht verstehen.

Die ÖH-Spitze sieht sich mit dem Bericht der Rechnungshof-Prüfer (RH) jedenfalls in ihrer "Kassandra-Rolle" bestätigt: "Zugangsbeschränkungen sind bereits salonfähig geworden", ärgert sich Barbara Blaha vom Verband Sozialistischer StudentInnen.

Und ihre Kollegin Rosa Nentwich-Bouchal von den Grün Alternativen StudentInnen empfiehlt dem Rechnungshof ihrerseits, mehr zu beobachten denn "politisch tendenziöse Kommentare" abzugeben.

Der politische Gehalt der Rechnungshof-Wahrnehmung ist stark - die daraus gefolgerten Schlüsse eine Frage des Standpunktes. Nach Leseart des Bildungsministeriums sieht man sich etwa auch beim Stichwort "Klassenwiederholungen" durch den RH-Bericht bestätigt: "Der Rechnungshof gibt uns Rückenwind für viele Maßnahmen."

Kritik am Repetieren

Der Anmerkung, die "pädagogische Sinnhaftigkeit von Klassenwiederholungen" sei international umstritten, hält man im Büro Gehrer das Frühwarnsystem für potenzielle Fünfer-Kandidaten entgegen. An eine Abschaffung des Repetierens denke man nicht. Die ebenfalls angeregte "verstärkte Teilnahme an internationalen Vergleichsstudien" sowie die Verbesserung der "Erfassung und Darstellung von Bildungskosten" liest man hingegen nicht so gerne. Genau wie die Rechnungshof-Forderung, in der schulischen Ausbildung weniger "die Schwächen zu beseitigen, als die Stärken zu fördern". (DER STANDARD-Printausgabe, 9.8.2005)

Von Karin Moser
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