"Wir sind nicht mehr ganz so destruktiv"

23. März 2006, 13:01
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KOMA, Sänger der Band "Julia" im derStandard.at- Interview über sein Pseudonym, den Festival-Wahnsinn und das neue Album

"Julia" sind KOMA (Vocals), Karl (Gitarre), Alex (Bass) und Sushi (Drums). Und Julia sind nicht so lieblich wie ihr Namen es vermuten lässt. Die vier Jungs haben sich einem Sound zwischen Grunge, Stoner Rock, Metal, Emo, Punk und Gitarrenpop verschrieben, ihre Fangemeinde ist mittlerweile von beachtlicher Größe. Nach einer turbulenten Festivalsaison ziehen sie sich nun ins Studio zurück, um für ebenjene Fangemeinde an ihrem zweiten Album zu basteln. "Optimistischer soll es werden und punkiger", verrät Sänger KOMA im derStandard.at-Interview.

derStandard.at: "Julia" – euer Name ist aus einer Not heraus entstanden und sorgt ständig für Irritationen – Seid ihr zufrieden mit der Wahl?

KOMA: Der Bandname entstand aus reinem Zufall. Die Band brauchte spontan einen Namen, eine Julia war im Zimmer, so nannten wir uns Julia. Ich habe mir zuerst gedacht: "Sicher nicht!". Am nächsten Tag hab ich mir gedacht: Die Musik ist ruff, warum eigentlich nicht so einen lieblichen Namen als Kontrapunkt.

derStandard.at: Seid ihr noch nie mit Bands wie Juli verwechselt worden?

KOMA: Na, ja. Wir waren einmal auf einem Minifestival mit "Fettes Brot" und "Juli". Da waren die Reaktionen auf uns dann schon etwas lau. Und einmal wurde das "a" auf unsem Banner von der Band, die wir supportet haben, aus reiner Bosheit abgeklebt. Leider war das das letzte Konzert und wir warten immer noch auf eine Gelegenheit, "Die happy" das heimzuzahlen. Mein eigenes Pseudonym, KOMA, wird übrigens demnächst verschwinden. Im nächsten Album wird stehen: Matthias Kobold, nicht mehr KOMA. Denn ich geh jetzt schließlich auf die 30 zu und Spitznamen haben einmal ein Ablaufdatum.

derStandard.at: Eure Festival-Auftritte waren heuer dicht gestreut. Was hältst du persönlich von Festivals. Nehmen sie mittlerweile nicht überhand und werden beliebig? Muss man sich als Band definieren, ob man eine Festival- oder eine Solo-Band ist?

KOMA: Ich steh, wie bei den meisten Sachen, einfach auf die Mischung. Ich möchte sicher nicht nur Festivals spielen, weil da natürlich viel Publikum kommt, das auf uns nicht steht. Die großen Besucherzahlen sprechen jedoch durchaus auch für Festivals. Was die Beliebigkeit betrifft, kommt es sicher auf das Festival an. Es gibt etliche renommierte Festivals mit einem genialen Line-Up, ich denke da an das Nova-Rock oder das Frequency, auch das Nuke. Ein Festival kann Musik-Junk-Food sein, muss es aber nicht.

derStandard.at: Das zweite Album ist in Arbeit. Was ist zu erwarten?

KOMA: Für mich wird das eine Weiterentwicklung hin zu einem optimistischeren Stil. Ich kann sicher schon versprechen, dass das zweite Album heller und fröhlicher wird als das erste, weniger destruktiv. Rein was den Musikstil betrifft, kann man sich punkigere Tracks erwarten. Das Ergebnis hört ihr dann Ende Jänner oder Anfang Februar.

derStandard.at: Für die Arbeit an eurem neuen Album werdet ihr euch einige Monate zurückziehen und keine Performances machen. Eine zu lange Konzertpause für eine eingefleischte Liveband?

KOMA: Eine Pause wird uns jetzt einmal ganz gut tun. Trotzdem bin ich mir sicher, dass wir nach zwei drei Wochen wieder die totale Lust haben werden, am Freitag unsere Sachen zu packen und loszuziehen.

derStandard.at: Eure Texte, eure Musik ist teilweise auch sehr depressiv. Kann das mitunter Fans negativ beeinflussen?

KOMA: Ich würde jetzt nich anfangen, meine Texte umzuschreiben, weil ich Angst habe, dass sich jemand aufknüpft. Wir müssen uns sich aber bewusst sein, dass unsere Songs auf die Leute eine Wirkung haben. Wir bemühen uns im Kontakt mit den Fans klarzustellen, dass mitunter depressive Texte auch Momentanaufnahmen sind und Songschreiber Geschichten erzählen. (mhe)

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