Zwischen Bewegung und Stillstand

9. Dezember 2005, 10:33
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Kitzbühel war für die österreichischen Tennisprofis eine und auch keine Reise wert

Kitzbühel - Es war am Donnerstag und es dämmerte, als Jürgen Melzer und Stefan Koubek in Kitzbühel einander begegnet sind. Als könnte der eine die Gedanken des anderen lesen, warfen sie sich weder ein saloppes "Hallo" noch ein tiefgründiges "Wie ist das werte Befinden, was macht die liebe Verwandtschaft?" zu, sie sprachen Klartext: "So ein Schmutz." Das Scheitern im Achtelfinale der Generali Open schweißt zusammen.

Kitzbühel ist frei von österreichischen Tennisprofis, das Abschneiden 2005 lag im langjährigen Schnitt, eine nationale Jammerei wäre reine Zeitverschwendung. Melzer, Daniel Köllerer und Oliver Marach gewannen je eine Partie, Koubek deren zwei. Um ins Finale zu kommen, hätte einer allein fünf Matches packen müssen, aber das ist eine dämliche Rechenspielerei.

Melzer meinte, das 6:1, 2:6, 1:6 gegen Fernando Verdasco werde keine Spuren hinterlassen. "Ich lasse mich auf meiner Reise nicht aufhalten." Der nächste Bahnhof steht in den Top 25, momentan ist Melzer die Nummer 35. Trainer Karl-Heinz Wetter wird ihn im Zug, der ein Flugzeug ist (nächste Landung Montreal), begleiten, auch er hat Kitzbühel abgehakt. "Man soll zwar nicht akzeptieren, dass es bei Jürgen hier nicht klappt, aber es ist so. Ich habe ihn immer wieder aufgerichtet, das wird auch jetzt so sein." Melzer giert jedenfalls nach den nun folgenden Hartplatzturnieren in Nordamerika.

Koubek hat immerhin doppelt so viele Matches gewonnen wie in den sechs Monaten davor. Da war die Dopingsperre, die von einer Lungenentzündung und einer Knieoperation abgelöst wurde. Seit vier Wochen kann er wieder professionell trainieren, Körper und Geist hielten gegen Hugo Armando und Christophe Rochus stand, Nicolas Massu war eindeutig zu viel (5:7, 2:6). "Ich hatte keine Energie mehr." Nun gelte es, "in den Top 100 zu bleiben". Trainer Günter Bresnik wird auch in 23 Jahren nicht nachvollziehen können, warum die Veranstalter Koubek am Mittwoch erst die vierte Partie haben spielen lassen. Nach dem Marathon gegen Rochus musste er auch noch im Doppel antreten, das hat um Mitternacht geendet. "Folge war die Bewegungslosigkeit gegen Massu."

Dafür hat sich der österreichische Tennisverband (ÖTV) bewegt. Vom Bund erhält er 300.000 Euro Förderung für zwei Jahre, dieses Geld soll in das Veranstalten von Future-Turnieren fließen. Damit der Nachwuchs daheim in Österreich Punkte hamstern kann. Sportdirektor Gilbert Schaller registriert "bei den Mädchen einen Aufschwung, bei den Burschen ein kleines Loch".

Daviscup naht

Der ÖTV wird samt Thomas Muster vom 23. bis zum 25. September in Pörtschach stationiert sein, Anlass ist der Daviscup gegen Ecuador. Gegner Nicolas Lapentti bekam in Kitzbühel übrigens eine Wild Card geschenkt. Vielleicht deshalb, um ja gut vorbereitet zu sein. Lapenttis Gedanken sollte man lesen können. (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 30./31.7. 2005)

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