Österreicher liegen EU-weit am öftesten im Krankenhaus

31. Juli 2005, 20:39
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Laut einer IHS-Studie könnten mehr ambulante Operationen bei grauem Star zwölf Millionen Euro einsparen

Wien – Wer in Österreich an Grauem Star leidet, hat EU-weit mit Abstand das größte Risiko, bei diesem Eingriff (Kataraktoperation) im Spital zu landen. Während die Operation der altersbedingten Trübung der Linse zum Beispiel in Dänemark fast zu 100 Prozent ambulant durchgeführt, liegt Österreich mit kaum zwei Prozent ambulanten Augen-OPs abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Für Österreich gilt zudem: Ist ein Patient mit grauem Star erst einmal in einem Spitalsbett untergebracht, muss er damit rechnen, gleich doppelt so lange wie im EU-Schnitt bleiben zu müssen, nämlich vier statt zwei Tage. Generell ist das Spitalsrisiko in Österreich um 70 Prozent höher als in der EU insgesamt.

Ein Forscherteam (Maria M. Hofmarcher, Monika Riedel, Gerald Röhrling) des Instituts für Höhere Studien (IHS) hat diese Unterschiede in der Behandlung genauer analysiert und hohes Sparpotenzial entdeckt: "Würde die Verweildauer bei Kataraktoperationen in Österreich jener in Frankreich und in Großbritannien entsprechen, könnten allein in diesem Versorgungsbereich, der etwa zwei Prozent aller Spitalsaufenthalte verursacht, 156 Betten abgebaut und damit etwa zwölf Millionen Euro in der stationären Versorgung eingespart oder für andere Bereiche frei werden", sagt IHS-Gesundheitsökonomin Maria M. Hofmarcher im Standard-Gespräch.

Die Star-Operation ist die häufigste Operation in der Medizin überhaupt. In Österreich werden jährlich 50.000 Patienten (Durchschnittsalter 75 Jahre) operiert. Das Krankenhaus ist aber klar der teuerste Behandlungsort. Zudem hat Österreich, wie Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat zu Wochenbeginn sagte, noch immer zu viele, kostenintensive Spitalsbetten, die weiter reduziert werden sollen.

Ein leer stehendes Spitalsbett kostet laut IHS-Expertin Hofmarcher 82.000 Euro pro Jahr. Jeder Patient, der drinliegt, bringt dem Spital also Geld. Eine zentrale Ursache für die spitalslastige Behandlung von grauem Star hat auch mit der Struktur des österreichischen Gesundheitssystems zu tun, erklärt die Gesundheitsökonomin: "Österreich hat keine nennenswerte tagesklinische Versorgung für diese häufigen Eingriffe."

Britische Forscher gehen davon aus, dass ambulante Operationen an Patienten, die unter grauem Star leiden, "gleich effektiv sind wie stationär durchgeführte Eingriffe, aber um rund 30 Prozent weniger Kosten verursachen. Ein Ausbau der Tageskliniken ist in Österreich auf jeden Fall erforderlich", sagt IHS-Forscherin Hofmarcher.

Zwar können die Spitäler seit Kurzem tagesklinische Pauschalen für Kataraktoperationen verrechnen, diese sind aber de facto so hoch wie für eine stationäre OP: "Das kann es aber wohl nicht sein", kritisiert Hofmarcher falsche Anreize im Gesundheitswesen. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2005)

von Lisa Nimmervoll
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    Mit ambulanten Operationen könnte Geld gespart werden

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