Vor 50 Jahren trat der Staatsvertrag in Kraft

26. Juli 2005, 19:27
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Der 27. Juli 1955 markiert ein wichtiges Datum - das gegenüber Vertragsunterzeichnung und Abschluss des Truppenabzugs jedoch kaum in Erinnerung blieb

Wien - Der 15. Mai 1955 als Datum der Unterzeichnung des Staatsvertrags ist fest im kollektiven Gedächtnis der Österreicher verankert. Weniger geläufig ist der 27. Juli 1955, an dem der Staatsvertrag in Kraft getreten ist. Gleichzeitig begann an diesem Tag die 90-tägige Räumungsfrist für die alliierten Truppen, die am 25. Oktober 1955 abgelaufen ist. Der tatsächlich letzte Besatzungssoldat war ein Brite. Er verabschiedete sich am 29. Oktober.

Frankreich war der letzte der vier Signatarstaaten, der die Urkunde über die Ratifizierung des österreichischen Staatsvertrags am Aufbewahrungsort Moskau am 27. Juli hinterlegte. Die Vereinbarung trat damit in Kraft. Ebenfalls am 27.Juli 1955 tagte der Alliierte Rat in Wien zum letzten Mal.

Truppenabzug hatte längst begonnen

Artikel 20 des Staatsvertrags sah nun vor, dass die Besatzungstruppen Österreich innerhalb von 90 Tagen nach dem in Kraft Treten des Vertrags, spätestens aber bis zum 31. Dezember 1955, verlassen sollten.

Von ihrem Höchststand an Militär auf österreichischem Gebiet waren die Sowjetunion, die USA, Großbritannien und Frankreich zu diesem Zeitpunkt schon weit entfernt, so der Militärhistoriker Manfried Rauchensteiner. Am 15. Mai, bei der Unterzeichnung, waren es bereits weniger als 50.000. Der Großteil - mehr als 30.000 davon - waren Sowjettruppen.

Zum Vergleich: Zum Höhepunkt der alliierten Militärpräsenz, Ende April / Anfang Mai 1945, waren bis zu 700.000 Soldaten der vier Mächte in Österreich. Ende 1945 waren es noch immer rund 300.000.

Unauffälliger Abschied

Am geringsten war im Mai 1955 die Präsenz der Franzosen. "Sie haben sich sehr unauffällig verabschiedet. Es war ja auch fast keiner mehr da", so Rauchensteiner. Die Briten hatten zuletzt noch etwas mehr als ein Bataillon in Österreich und versäumten die Frist für den Abzug um einige Tage.

Pünktlicher waren Russen und Amerikaner, die Anfang 1955 noch mehr als 10.000 Mann in Österreich stationiert hatten. Der letzte US-Soldat sei am 24. Oktober abgezogen, so Rauchensteiner - und der letzte Russe bereits am 19. September.

Einen Tag nach dem Ende der Räumungsfrist, am 26. Oktober 1955, hat der Nationalrat dann das Neutralitätsgesetz beschlossen. Dieser Tag wurde nach einigen Umwegen zehn Jahre später zum Nationalfeiertag erklärt.(APA)

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