Pröll: Keine Ambitionen auf Kanzleramt

24. Juli 2005, 09:59
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Landwirtschaftsminister sieht keinen Grund, in Privatwirtschaft zu wechseln und lässt kein gutes Haar an SPÖ und Grünen

Wien - ÖVP-Landwirtschaftsminister Josef Pröll lässt in einem APA-Interview kein gutes Haar an der Opposition. Er sehe keinen Grund, seine kritische Haltung gegenüber der SPÖ zu ändern. Bei den Grünen ortet er Orientierungslosigkeit. Neuerlich betonte Pröll, keine Ambitionen auf das Kanzleramt zu haben.

Verärgert äußerte sich der ÖVP-Minister vor allem über die Aussagen von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, der die ÖVP - im Zusammenhang mit den umstrittenen Wahlkampfmethoden der steirischen Volkspartei - auf dem Weg zur "schmutzigsten Partei" in Österreich sieht. Pröll: "Durch das sehr bemerkenswerte Interview des Parteivorsitzenden der SPÖ hinsichtlich der Bewertung der Sauberkeit von Parteien sehe ich keinen Anlass, meine kritische Positionierung zur SPÖ zu ändern." Gusenbauer und den anderen Kritikern der "offensichtlich übereifrigen Aktionen" in der steirischen VP richtet Pröll aus: "Wer völlig frei von schuld ist, soll den ersten Stein werfen."

"Linie halten"

"Ich denke", so Pröll weiter, "eine Partei muss Linie halten können, muss wegkommen von einem Stil, der heißt, die anderen schlecht machen, um dadurch selbst zu punkten. Eine Partei muss Vorgaben leisten, an denen das Land und die Menschen sich orientieren. Und das sehe ich bei der SPÖ nicht."

Kritik übte Pröll auch an der stellvertretenden Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, die von einem "Chaos in der Regierung" gesprochen hatte. Pröll: "Man kann nicht die eigenen Probleme, die man in den Grünen Reihen hat, auf die Regierung projizieren. Im Gegensatz zu den Grünen weiß die ÖVP, was sie will und handelt auch. Regieren zu wollen und über die jetzige Regierung zu schimpfen, ist zu wenig." Man müsse auch ein Programm haben, meinte der Minister. "Aber derzeit wissen die Grünen noch nicht einmal, wohin sie sich wenden sollen."

Leidenschaftlicher Minister

Der Landwirtschaftsminister, der über ausgezeichnete Umfragewerte verfügt und in politischen Kreisen als Personalreserve der ÖVP gilt, gibt sich hinsichtlich seiner Zukunft zurückhaltend: "Ich arbeite für die Partei, ich bin leidenschaftlicher Minister für Landwirtschaft und Umwelt, es fasziniert mich auch, und ich werde - wenn sich das meine Parteifreunde wünschen - bei der Wahlkampagne 2006 gerne mit dabei sein." Ziel der Nationalratswahl 2006 sei, "die ÖVP als erste Partei zu positionieren".

"Überhaupt keine Option" sei für ihn, Pröll, das Kanzleramt: "Ich will meinen Job als Landwirtschafts- und Umweltminister erledigen und dort die Lebensgrundlagen für Österreich zukunftsfähig gestalten. Das ist meine einzige Herausforderung, die ich mit Leidenschaft tue, und alles andere ist für mich keine Option." Ob er dies auch in einem Notariatsakt festschreiben würde? Pröll: "Ich habe jetzt so klar geantwortet, dass ich keinen Notariatsakt dazu brauche."

Pröll sieht keinen Grund, in Privatwirtschaft zu wechseln

Auch einen Wechsel in die Privatwirtschaft - zuletzt war in Medienberichten von der Funktion des Raiffeisen-Generalanwalts die Rede - schließt Pröll aus: "Ich bin Minister. Es macht mir Freude, es ist eine Verantwortung und ich möchte das auch gern weiter tun. Das sage ich ganz klar und deutlich. Es kommt die EU-Präsidentschaft, dann die Wahlkampagne - ich sehe überhaupt keinen Anlass und keinen Grund, in die Privatwirtschaft zu wechseln. Lassen wir die Gerüchte dort, wo sie gemacht werden." (APA)

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    Landwirtschaftsminister Pröll hat keine Kanzlerambitionen.

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