Überall in Europa mit der Bankomatkarte zahlen

31. Juli 2005, 17:31
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Kommission will einheitlichen bargeldlosen Zahlungsverkehr bis 2010

Es könne wohl nicht sein, dass man mit seiner Kreditkarte bei jedem Geldautomaten in Südirland Bargeld bekommen könne, es aber bei Zahlungen mit Bankomatkarten häufig Probleme gebe, kritisierte der für den EU-Binnenmarkt zuständige Kommissar Charlie McCreevy wiederholt. Der Ire will nun am 5. Oktober einen Vorschlag für eine Richtlinie für den bargeldlosen Zahlungsverkehr präsentieren und damit Druck auf die Banken machen.

Denn zwölf EU-Länder haben mit dem Euro zwar eine gemeinsame Währung, aber beim Einsatz von Plastikgeld ist der Kontinent noch arg zersplittert. Innerhalb der EU kann man zwar mit seiner Maestro-Karte (Bankomatkarte) an jedem Bankomat Geld abheben, an den Kassen der Supermärkte zu zahlen, ist aber nicht immer möglich. Länder wie Belgien, Frankreich, Italien oder Spanien verwenden eigene Systeme. In Italien wird Pago Bancomat verwendet, in Frankreich CB Cartes Bancaires, in Belgien Bancontact Mister Cash und in Spanien gibt es gleich drei konkurrierende Netze.

Hohe Kosten für Institute

Für die Banken bedeutet die Vereinheitlichung der Systeme ein hoher Aufwand und beträchtliche Kosten. Mehr als 70 Institute gründeten den Rat für Europäischen Zahlungsverkehr (EPC) und setzten auf Selbstverpflichtungen, um bindende Regeln zu vermeiden. Als der vor Kurzem vorgelegte Vorschlag des EPC für die Einrichtung eines einheitlichen Zahlungsverkehrsraums nur die Eurozone umfasste, verlor die EU-Kommission die Geduld. McCreevy will nun durch verpflichtende Regelungen durchsetzen, dass bis 2010 bargeldlose elektronische Transaktionen wie Überweisungen oder Kartenzahlungen grenzüberschreitend genauso einfach möglich sind wie im Inland.

Noch gibt es auch beträchtliche Unterschiede bei den Gebühren zwischen Zahlungen im Aus- und im Inland. "Es soll keine Preisdifferenz mehr zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen bestehen", forderte Gertrude Tumpel-Gugerell, aus Österreich stammendes Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, bei einem Kongress der europäischen Kartenindustrie. "Jede Karte muss an jedem Gerät einsetzbar sein." Die EZB kämpft in dieser Frage Seite an Seite mit der EU-Kommission. (Alexandra Föderl-Schmid aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.7.2005)

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