Neue Möglichkeiten der Behandlung von Anämie bei Neugeborenen

22. Juli 2005, 12:47
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Transfusion von Plazentablut oder verzögerte Abnabelung als Alternativen zu bisheriger Fremdblut-Therapie

Magdeburg - Frühgeborene leiden häufig unter Blutarmut. Für die meisten von ihnen sind Bluttransfusionen überlebenswichtig, doch Fremdblut für die extrem leichtgewichtigen Frühchen ist nach Aussage von Experten knapp. Mögliche Alternativen sehen Wissenschafter daher in der Therapie mit Plazenta-Blut oder auch in einer verzögerten Abnabelung.

Bei Plazenta-Blut handelt es sich hauptsächlich um das Blut des Föten, das über die Nabelschnur transportiert wird, wie Thomas Brune von der Universitätskinderklinik Magdeburg erläuterte. Bisher werde unmittelbar nach der Geburt die Nabelschnur abgeklemmt und durchtrennt. Dabei gehe ein Teil des kindlichen Blutes verloren.

Erste Behandlungen in Münster

Je nach Körpergewicht des Neugeborenen könnten das etwa 20 Milliliter sein, die dem Frühstarter fehlten, sagte Brune, der die medizinisch-rechtlichen Probleme, die mit einer Plazenta-Eigenblutspende für Neugeborene zusammenhängen, untersuchte. Nach seiner Aussage wurden in Deutschland die ersten Kinder mit Plazentablut an der Universität Münster bereits behandelt.

Abnabelungsprozess hinausgezögert

Ein anderer Ansatz, die Blutmenge des Frühgeborenen zu erhöhen, bestehe in einer verzögerten Abnabelung des Frühgeborenen, sagte Heike Rabe vom Royal Susses Hospital im britischen Brighton. Für eine Spätabnabelung nach etwa 30 bis 45 Sekunden sprächen eine Stabilisierung des Herzkreislauf-Systems und überraschenderweise auch die Stabilisierung der Blutzuckerwerte, sagte Rabe.

Gentechnisch hergestelltes Hormon

Eine weitere Möglichkeit, die Transfusionen von Fremdblut zu reduzieren, sei die Verabreichung von gentechnisch hergestelltem Erythropoetin, sagte der Neonatologe Rolf Maier vom Zentrum für Kinder und Jugendmedizin der Universität Marburg. Es stimuliere die Bildung roter Blutkörperchen.

Die Ursachen der Blutarmut bei Neugeborenen reichen nach Ansicht der Experten von Blutverlusten durch die Haut und als Folge diagnostischer Untersuchungen bis zu einem Mangel an Eisen und dem Wachstumsfaktor Erythropoetin. Dieser ist für die Bildung der roten Blutkörperchen wichtig, deren roter Blutfarbstoff, das Hämoglobin, den Sauerstoff, transportiert. (APA)

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