Ein ganz normaler Sommer

23. Juli 2005, 21:45
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Tropisches Klima, Sonne und Regen im Wechsel - Der Sommer schlägt laut Experten aber keine Kapriolen

Mittersill/Wien – Das Wasser ist in den vergangenen Tagen zwar zurückgegangen, die Angst vor neuerlichen Fluten ist in Mittersill im Oberpinzgau aber geblieben. Am Montag war die Stimmung besonders angespannt, prognostizierten doch Meteorologen erneut schwere Unwetter mit Murenabgängen für die Nacht. Dieser beinahe tägliche Wechsel von Hitze mit einer Luftfeuchtigkeit jenseits der 80 Prozent sowie Hagel und Gewitter werde auch noch in der zweiten Julihälfte andauern.

"Die Solidarität in Mittersill ist nach der Hochwasserkatastrophe unbeschreiblich, gemeinsam hat man sich das Ziel gesetzt, so rasch wie möglich wieder zur Normalität zurückzukehren. Trotzdem, wenn plötzlich wieder starke Regenfälle angesagt sind, ist die Nervosität im Ort deutlich spürbar", erzählt Amtsleiter Andreas Voitshofer.

Angst um Dämme

Dennoch rechne man nicht mit einer erneuten Katastrophe: "Problematisch ist bei uns nur der Dauerregen. Da der Regen aber bald wieder nachlassen soll, hoffen wir, diesmal verschont zu bleiben", bangt Voitshofer. Bereits am Sonntag hätte man die Dämme entlang der Salzach teilweise verstärkt. "Das Prob^lem ist, dass die Schutzwälle aufgrund der feuchten Witterung noch nicht ausgehärtet sind und bei erneutem Regen brüchig werden können.

Am Montag besuchte auch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) das Katastrophengebiet. Geplant waren vor allem Verhandlungen mit dem Gemeinderat über benötigte Zahlungen aus dem Katastrophenfonds des Landes. Der Schaden dürfte nach ersten Schätzungen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen. "Erst jetzt, da sich das Wasser zurückzieht, wird das wahre Ausmaß der Flutschäden sichtbar", erklärt Voitshofer. Das durch Wassermassen schwer beschädigte und evakuierte Krankenhaus dürfte – so der Amtsleiter – frühestens im September wieder benutzbar sein.

Alles "ganz normal" "Es ist genau der Verlauf des Sommers, den wir prognostiziert haben", sagt Ernest Rudel, Leiter der Abteilung Wetter und Klimainformationen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auf der Hohen Warte in Wien. Ein unbeständiger Juli, mit Sonnen- und Regenperioden. Auch historisch gesehen sei dieser Wechsel von schwüler Hitze und Gewittern für diesen Monat "ganz normal". Allerdings, so merkt der Klimatologe an, die Auswirkungen durch die heftigen Regenfälle – wenn auch statistisch gesehen in Gesamtösterreich mit nicht überdurchschnittlich hohen Niederschlagsmengen – seien im alpinen Bereich im Vergleich zu jenen vor 20 Jahren deutlich schlimmer. "Verbauung und Besiedelung von hochwassergefährdeten Gebieten" seien der Grund für die hohen Schäden nach Murenabgängen.

Hagel im August

Für den August stellt er aber ein Ende der Wetterkapriolen in Aussicht. Bis Mitte August rechnet Rudel mit "längeren Schönwetterphasen und sehr hohen Temperaturen". Darauf folgen dann aber in der zweiten Augusthälfte Regen und Hagel. Laut der Oberösterreich-Statistik vom Agrarressort sei mit acht Hageltagen zu rechnen. Welche Auswirkungen – speziell auf die bevorstehende Ernte – dieser Niederschlag habe kann, zeigte das vergangene Wochenende.

In Oberösterreich sei, laut der Oberösterreichischen Versicherung, ein Hagelschaden auf insgesamt 5000 Hektar in der Höhe von 1,5 Millionen Euro entstanden. Entwarnung gibt es aber dann für den September. Dieser dürfte – aus heutiger Sicht – "stabil" werden, sagt Rudel. Und damit dem "statistisch klimatologischen Verlauf des Sommers" entsprechen. (Markus Rohrhofer/Kerstin Scheller, DER STANDARD-Printausgabe, 19.07.2005)

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