Dirigent Eiji Oue

26. Juli 2005, 11:49
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Der Japaner verspricht "Wagner pur" - Große Erwartungshaltung an Theater erfordert immer "mehr Vorstellungskraft und Inspiration" des Dirigenten

Bayreuth - Der Japaner Eiji Oue, der "Tristan und Isolde" dirigieren wird, ist der erste asiatische Dirigent, der zu den Richard-Wagner-Festspielen nach Bayreuth eingeladen wurde. Für den Chefdirigenten der NDR-Radiophilharmonie Hannover geht mit der Einladung von Festspielleiter Wolfgang Wagner "ein lang gehegter Traum in Erfüllung".

Faszination des Tristans

Zu "Tristan und Isolde" hat der 48-Jährige ein besonderes Verhältnis. Es war die erste Oper, die er studiert hat. "Zu meiner Überraschung fühle ich mich Richard Wagners Musik eng verbunden" sagte Oue vor seinem Debüt am "Grünen Hügel". "Ich bin fasziniert von der Art, wie er das Drama geschaffen hat, wie er die Mythologie und den Klang des Orchesters einsetzt." Wagners "Tristan und Isolde" ist für den Dirigenten "ein aufs Höchste außergewöhnliches Drama, das unter höchst außergewöhnlichen Umständen stattfindet". Das Besondere sei das zutiefst menschliche Gefühl, das in dem Werk lebe und wachse.

"Wagner pur"

Den Wagnerianern aus aller Welt verspricht Oue bei der Premiere am 25. Juli "Wagner pur". Es gebe keine bessere Interpretation Wagnerscher Musik als dessen eigene. Zu den besonderen Herausforderungen, die der verdeckte Orchestergraben, der "mystische Abgrund", an einen Dirigenten stellt, will sich Oue erst nach der Premiere äußern. Akribisch habe er sich seit Monaten auf die Musik des Tristan vorbereitet.

Immer "mehr Vorstellungskraft und Inspiration" erforderlich

Die große Vielfalt der Ideen und das breite Spektrum bedeutender Theater-Produktionen rund um den Globus produziert aus der Sicht Oues eine immer größer werdende Erwartungshaltung an das Theater. "Deshalb braucht auch der Dirigent mehr Vorstellungskraft und Inspiration; er muss seine ganze Fantasie walten lassen, um eine neue Welt zu kreieren", sagt der 48-Jährige über seine Rolle. Auch seine Landsleute schauen gespannt auf sein Debüt in Bayreuth. "Wagner ist in Japan sehr populär."

Ausbildung

Der in Hiroshima geborene Sohn aus einer alten Samurai-Familie hatte schon im Alter von vier Jahren mit dem Klavierspiel begonnen. Seine Ausbildung als Dirigent erhielt er bei Hideo Saito an der Toho Gakuen School of Music und bei Larry Livingston am New England Conservatory. Zu seinen Lehrern zählen Sergiu Celibidache, Claudio Abbado und Sir Colin Davis. Entscheidend war aber die Begegnung mit Leonard Bernstein im Jahr 1978. Als Mentor und Freund stellte Bernstein seinen Schützling in der ganzen Welt vor und teilte sogar das Podium mit ihm.

Karriere

Von 1991 bis 1995 war Eiji Oue Chefdirigent des Erie Philharmonic Orchestra. Anschließend leitete er als musikalischer Direktor sieben Jahre lang das Minnesota Orchestra. Von 1997 bis 2003 fungierte er als Musikalischer Direktor des Grand Teton Music Festivals in Wyoming, bevor er im Mai 2003 die Position als Music Director des Osaka Philharmonic Orchestra antrat.

Seit 1998 ist Oue Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie. Eine Konzertreihe für jüngeres Publikum und der "Musiktag Hannover" gehörten zu seinen Initiativen. Seit Herbst 2000 hat er auch eine Professur für Dirigieren an der Musikhochschule Hannover inne. (APA/dpa)

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