Günstling der Sterne und der Mächtigen

22. Juli 2005, 22:26
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Überzeugt von der Nützlichkeit des Schönen: Staatsoperndirektor Ioan Holender ist 70

7Jahre sind kein Grund zum Jubel. Wofür immer man Ioan Holender rühmen oder weshalb immer man ihm am Zeug flicken mag, - dass er heute, exakt um 16.32 Uhr, siebzig wird, ist weder sein Verdienst noch seine Schuld.

Doch an solch runden Geburtstagen triumphiert die Zahlenmagie über jegliches Kalkül, und ganz gewiss zum stillen Gaudium des Herrn Staatsoperndirektors schlägt vielen Heuchlern aus seiner näheren und weiteren Umgebung die große Stunde. Nicht auszudenken, wer aller ihn da dampfend rühmen wird und wie viele von denen, die ihm längst schon an den Kragen wollten, ihm heute um den Hals fallen.

Viel schwerer hat's da einer, der das alles nicht will. Der weder auf einen kreglen Siebziger einen deplatzierten Nachruf schreiben noch einem charmesprühenden Womanizer, auch wenn er diesem nie so wirklich an den Kragen wollte, zu dessen berechtigtem Entsetzen um den Hals fallen möchte. Und über den heute im Orkan der Ehrungen stehenden Herrn auch noch etwas sagen möchte, was dieser vielleicht selbst noch nicht weiß. Hilf Himmel! Was tun?

Wie weit auf den Himmel Verlass ist, wird gerade gegenwärtig heiß diskutiert. Und was der Himmel über Ioan Holender sagt, ist gewiss nicht mehr und nicht weniger richtig, als das, was in diesen Tagen Irdische über ihn sagen oder - Pardon - er selbst im Lauf der Jahre über sich und sein Wirken verlauten ließ.

Gemeint ist der Sternenhimmel und der Stand der Planeten zu Ioan Holenders Geburt sowie die Weise, auf die sie seinen Lebensgang begleiteten.

Also auf in ein nobles astrologisches Etablissement, wo sich so manche Stütze der Wiener Gesellschaft ganz diskret Rat raunen lässt. Nichts mehr wird der sternkundigen Sybille mitgeteilt, als Zeit und Ort der Geburt. Was ist das für ein Mensch?

Alsbald heißt es, Hugh!, die Sterne haben gesprochen. Also: Der Mann, wir wissen, dass von Ioan Holender die Rede ist, lässt sich nicht in die Karten blicken, durchschaut jedoch andere sehr gut.

Und wer über Holenders direktoriale Sparmeisterei Bescheid weiß, wird aufheulen, wenn er das Folgende liest: "Er zeigt im Beruf Fleiß, Sorgfalt, Liebe für das Detail und sucht nach einem ausgewogenen Kosten-Nutzen-Verhältnis." Überdies ist er "gegenüber der Öffentlichkeit kritisch (und ob!), realistisch und zurückhaltend".

Die Venus bestrahlt ihn so günstig, dass sein Metier die Kunst ist, auch wenn für ihn "vor allem das schön ist, was auch nützlich ist".

Sonne und Pluto, die zur Stunde seiner Geburt am gleichen Himmelsort standen, bewirkten, dass er in seinen jungen Jahren zu den Unterliegenden zählte und er erst später zu "Macht und Ansehen gelangte". Wobei eine "Tendenz zur Rücksichtslosigkeit" nicht verschwiegen werden soll. Venus und Merkur hingegen geben ihm eine "harmonische Ausstrahlung und lassen ihn charmant und verbindlich erscheinen".

Andererseits wird auch bescheinigt, dass er "Beziehungen zu seinem Vorteil" eingeht und "die richtigen Leute" kennt. Der Mars wiederum verleiht ihm eine "Faust im Samthandschuh" und die Neigung "zu manipulativer, indirekter Durchsetzung".

Jupiter wieder ist es, der unseren Jubilar "sensibel für die Ungerechtigkeit und das Leid in der Welt macht". Was dieser immer wieder, nicht zuletzt durch seinen ziemlich einsamen Protest gegen die Nato-Attacke auf Serbien, unter Beweis stellt.

Sein eigentlicher Schicksalsplanet ist jedoch angeblich der Saturn. Er bedeutet für Holender seine "tiefe, unverbrüchliche Verbundenheit" mit seiner (rumänischen) Heimat, die auch sehr schmerzlich sein kann. Nicht nur 1959, als er seine Heimat verließ, auch gerade in diesen Tagen, in denen große Teile davon durch Hochwasser verwüstet werden.

Geht es nach den Sternen, darf der Staatsoperndirektor jedoch zufrieden sein. Überstrahlen doch Sonne und Jupiter seinen Lebensweg schon seit mehr als einem Jahrzehnt auf förderliche Weise. Erst in vier Jahren weichen sie Saturn, der als astraler Vollender im günstigen Winkel für ein Finale von Holenders Staatsoperndirektion in Glanz und Gloria sorgen wird.

Was ihm zu wünschen ist: dass alles stimmt, was der Interpret der Sterne da sagt. Wozu ihm vor allem zu gratulieren ist: dass es ihm beschieden ist, an seinem heutigen Ehrentag neben Frau und Kindern auch noch seine Mutter bei sich zu haben. Ein rares Glück für einen Siebziger. (Peter Vujica/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 7. 2005)

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    foto: standard/christian fischer
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