Heiße Spur nach Pakistan

19. Juli 2005, 10:43
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Ermittlungen in Jamia-Manzoorul-
Koranschule in Lahore - Drei der vier mutmaßlichen Attentäter reisten 2004 nach Asien

Leeds/London/Islamabad - Der Spur der Londoner Selbstmordattentäter führt offenbar zu pakistanischen Al-Kaida-Zellen. Die Ermittlungen konzentrierten sich inzwischen auf die Organisation der Terrorserie, sagte Scotland-Yard-Chef, Sir Ian Blair, am Samstag der BBC. "Und am interessantesten ist die Pakistan-Verbindung." Die Zahl der Opfer der Anschläge vom 7. Juli stieg unterdessen auf 55. Eine weitere Person sei über Nacht im Krankenhaus gestorben, teilte die Londoner Stadt-Polizei mit.

Wie Vertreter der pakistanischen Sicherheitsbehörden unterdessen in Islamabad mitteilten hielten sich drei der vier mutmaßlichen Selbstmordattentäter im vergangenen Jahr in Pakistan auf. Der 30-jährige Mohammed Sidique Khan und der 22-jährige Shehzad Tanweer seien im November 2004 gemeinsam am Flughafen von Karachi gelandet und Anfang Februar 2005 wieder nach Großbritannien zurückgekehrt, hieß es.

Aber auch der jüngste der mutmaßlichen Attentäter, der 18-jährige Hasib Mir Hussain, ebenfalls Briten pakistanischen Ursprungs, sei aus unbekannten Motiven ebenfalls im vergangenen Jahr in Karachi eingereist und kurze Zeit später wieder nach Großbritannien zurückgeflogen. Die Spur der drei Verdächtigen während ihres Aufenthalts in Pakistan hätte bisher nicht rekonstruiert werden können.

Weitere Festnahmen

In Pakistan sind in der Nacht zum Freitag zwei weitere Männer festgenommen worden. Unter ihnen befindet sich der Leiter einer Islamschule, an der einer der Londoner Selbstmordattentäter bei einem Aufenthalt in Pakistan Al-Kaida-Angehörige getroffen haben soll.

Die im pakistanischen Lahore festgenommenen Männer werden nach Behördenangaben verdächtigt, mit einem der Attentäter, Shehzad Tanweer, Kontakt unterhalten zu haben. Damit haben die Sicherheitskräfte des Landes im Zusammenhang mit den Anschlägen insgesamt sechs Menschen festgenommen.

In Pakistan gibt es tausende Koranschulen. Diese so genannten Madrassas gelten als Nährboden islamistischer Radikalisierung.

Unterdessen sind Polizeiangaben zufolge 41 der 55 bisher bestätigten Todesopfer der Londoner Anschläge offiziell identifiziert worden. Das 55. Todesopfer erlag in der Nacht zum Samstag seinen schweren Verletzungen. Lee Harris (30) befand sich in dem Zug der Piccadilly Line, in dem zwischen King's Cross und Russell Square eine Bombe detonierte.

Bei diesem Anschlag kamen damit allein 27 Menschen ums Leben. Ein Freund der Familie erklärte, Harris sei im Krankenhaus gestorben. Seine langjährige Freundin, die am Morgen der Anschläge mit ihm in der U-Bahn fuhr, wird laut Polizei immer noch vermisst. Etwa 700 Menschen wurden bei en Anschlägen verletzt, einige schwebten neun Tage nach den Anschlägen immer noch in Lebensgefahr. (APA/AP)

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    Die Jamia-Manzoorul-
    Koranschule in Lahore

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