Stahl, Sonne, Feuer auf der Seebühne

14. Juli 2005, 19:01
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Feurige Opernabende in Bregenz mit Guiseppe Verdis Oper "Der Troubadour" und Erdölmetaphorik

Bregenz - Wenn zwischen roten Bohrtürmen und Schloten die Sonne rotorange im Bodensee versinkt, geht ein Raunen durch die Reihen der Zaungäste, die allabendlich Bühne schauen. So romantisch kann eine Raffinerie sein, so nett kann es ausschauen, wenn Ölfässer im Wasser schaukeln. Paul Steinberg (Bühnenbild) und Robert Carsen (Inszenierung) versetzen Guiseppe Verdis Oper "Der Troubadour" in die Welt der Erdölindustrie, "weil Erdöl Macht ist", sagt Robert Carsen.

Mit pyrotechnischen Effekten und Light Design (Patrick Woodroffe) wird die Bühne zum Symbol für Macht und Krieg, Unterdrückung von Minderheiten und Raubbau an der Natur. Feuer ist das wiederkehrende Symbol der Inszenierung, Stahl das vorherrschende Baumaterial.

Versenkbarer Zaun

700 Tonnen wurden auf der weltgrößten Seebühne verbaut. Die Raffinerie, mit ihren vier Ecktürmen einer mittelalterlichen spanischen Burg nachempfunden, ist 50 Meter breit und 40 Meter tief. Eyecatcher wird ein versenkbarer Bauzaun sein. Verschwindet der Zaun im Bühnengrund, schießen urplötzlich Feuersäulen empor. Effekte, die das Festspielpublikum liebt.

Die Wiener Symphoniker gehen dem Feuer lieber aus dem Weg und ziehen es vor, diese Festspielsaison nicht mehr als U-Boot-Besatzung im Bauch der Bühne zu musizieren. Sie werden erstmals nach 60 Saisonen die Seeaufführung im Orchestergraben des Festspielhauses begleiten. Der Klang wird mit digitaler Beschallungstechnologie auf die Bühne getragen, die Musiker werden über Screens sichtbar. BOA - Bregenz Open Acoustics - wird in den nächsten Jahren weiter verbessert. Ein "Klangdom" ist das Ziel. Gerd Alfons, technischer Leiter: "Die Zuhörer sollen das Gefühl haben, in einer großen Kirche zu sitzen und zu hören, wie draußen eine Kutsche vorfährt und die Pferde wiehern."

Die Bregenzer Festspiele beginnen am 20. Juli mit der Oper "Maskerade" von Carl Nielsen im Festspielhaus. Diese Saison ist die letzte im alten Festspielhaus. Mit Saisonende (22. 8.) wird der große Umbau - Kosten 40 Millionen Euro - gestartet. (jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.7.2005)

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    Industrieromantik bei den Bregenzer Festspielen. Paul Steinberg baute eine Raffinerie in den Bodensee.

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