Ex-WorldCom-Chef Ebbers zu 25 Jahren Haft verurteilt

20. Juli 2005, 10:19
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Richterin bleibt unter Strafempfehlung der Anklage

Drei Jahre nach der Pleite des US-Telekomgiganten WorldCom ist Ex-Chef Bernard Ebbers von einem New Yorker Gericht zu einer Haftstrafe von 25 Jahren verurteilt worden. Eine geringere Strafe hätte nicht die Schwere des Verbrechens wiedergegeben, sagte Richterin Barbara Jones am Mittwoch während der Verkündung des Strafmaßes. Mit ihrer Entscheidung blieb sie dennoch unter der von der Anklage empfohlenen Strafhöhe von 85 Jahren.

Bilanzschwindelei in Höhe von elf Mrd. Dollar

Bereits im März diesen Jahres hatte eine Jury den 63-jährigen Ebbers der Bilanzschwindelei in Höhe von elf Mrd. Dollar (9,03 Mrd. Euro) für schuldig befunden. Ebbers soll Mitarbeiter angehalten haben, die Bücher zu frisieren.

Der WorldCom-Skandal hatte vor drei Jahren ein Erdbeben in der Finanzwelt ausgelöst. Im Juni 2002 musste der Konzern einräumen, über eineinhalb Jahre hinweg 3,85 Mrd. Dollar an Ausgaben für gemietete Telefonleitungen als Investitionen statt als laufende Kosten verbucht zu haben. Daraufhin stürzte die Aktie um mehr als 90 Prozent ab. Anleger verloren Milliarden und 20.000 Beschäftigte ihre Jobs. Erst vor zwei Wochen willigte Ebbers ein, fast sein gesamtes Restvermögen abzustoßen, um Forderungen früherer Anleger von etwa 45 Mio. Dollar zu begleichen.

Selmade

Ebbers ist ein Selfmademan: Er hatte WorldCom 1983 als Provinzfirma im US-Bundesstaat Mississippi gegründet. Unter seiner Ägide wurde das Unternehmen vom kleinen Billig-Anbieter für Ferngespräche durch Zukäufe zur Nummer zwei auf dem US-Markt hinter AT&T. Doch im Juni 2000 verbot das US-Kartellamt eine Fusion mit der Sprint-Gruppe. Die anschließende Talfahrt der Telekom-Werte an den Börsen zog auch die WorldCom-Aktie in den Keller.

Spitzenstellung auf dem US-Telefonmarkt

Drei Jahre nach dem Skandal ist der Konzern fast wieder aus den roten Zahlen. Im Juli 2002 hatte sich WorldCom unter das schützende Dach des US-Konkursrechts geflüchtet, um unter dem Namen MCI an seiner Sanierung zu arbeiten. Heute steht MCI vor der Übernahme durch den Konkurrenten Verizon, der damit gegen AT&T seine Spitzenstellung auf dem US-Telefonmarkt verteidigen will.(APA)

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