Hartz: Möglicher Verzicht auf Abfertigung

13. Juli 2005, 20:25
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Peter Hartz könnte in Pension gehen - Neuer VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verspricht "gläserne Kassen"

Wolfsburg - In die Diskussion über eine mögliche Abfindung für VW-Personalvorstand Peter Hartz kommt eine neue Wendung. Wie die dpa am Mittwoch aus dem Umfeld des Konzerns erfuhr, wird der 63-Jährige möglicherweise für sich den Weg der Rente wählen und damit automatisch auf eine Abfindung verzichten. Wann genau Hartz den Autobauer verlasse, sei noch unklar. Hartz hatte am vergangenen Freitag im Zuge der VW-Korruptionsaffäre die Verantwortung für Unregelmäßigkeiten einzelner Mitarbeiter übernommen und seinen Rücktritt angeboten. In Wolfsburg ist am Mittwochmorgen das Präsidium des VW-Aufsichtsrates zusammengekommen, um über das Angebot von Hartz zu beraten. Es gilt als sicher, dass es angenommen wird.

Familie auf Reisen

Der neue VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat indes eingeräumt, dass Arbeitnehmervertreter ihre Ehefrauen in der Vergangenheit auf Reisen mitgenommen haben. Die Reisen "waren als Pendant zu den regelmäßigen Treffen der rund 200 Topmanager unter Einbeziehung der Partner gedacht", sagte Osterlohn der Betriebszeitschrift "VW-Intern". Auf Grund der zeitlichen Belastung habe VW vor einigen Jahren beschlossen, die Ehepartner der Topmanager stärker einzubinden, sagte Osterloh in dem Interview, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt.

"Da die Mitglieder des Gesamtbetriebsausschusses nicht Mitglieder des Topmanagements sind, aber einen ebenso starken zeitlichen Belastung unterliegen, wurden diese Reisen auf Einladung des Vorstandes bis 2003 durchgeführt". Als er, Osterloh, im vergangenen Jahr zum stellvertretenden Gesamtbetriebsratschef gewählt worden sei, habe er sich mit den Kollegen abgestimmt, "dass es diese Reisen nicht mehr geben wird, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind."

Vorwürfe, dass bei den Reisen Geld für Einkäufe geflossen sein soll, wies Osterloh zurück. "Meine amtierenden Kollegen haben mir versichert, dass da nichts dran ist."

Übliche Kontrollen

Zum Thema Eigenbelege verwies Osterloh auf die laufenden Untersuchungen. "Fakt ist, dass der Gesamtbetriebsrat wie jede andere Abteilung bei Volkswagen auch, ein Budget für Personal, Sachgemeinkosten, Fortbildung etc. hat." Das Budget unterliege den bei VW üblichen Kontrollen. "Von einem Pauschaletat habe ich nichts gewusst und den wird es mit mir auch nicht geben." Bei ihm gelte das Prinzip der "gläsernen Kasse", betonte Osterloh erneut.

Die "pauschale Verurteilung", der Betriebsrat sei korrupt, wies der 48-Jährige zurück. Er beobachte "mit einer gewissen Portion Galgenhumor, dass genau diejenigen, die dem Betriebsrat als Gremium oder einzelnen jetzt vorwerfen, gekauft worden zu sein, noch während der Tarifrunde über die 'Hardliner-IG-Metall' lamentiert haben".

Nach Einschätzung von Osterloh hat die Korruptionsaffäre Betriebsrat und Gewerkschaften bei VW nicht geschadet, "auch wenn einige versuchen dies herbeizureden und zu schreiben." Die Kollegen differenzierten sehr wohl zwischen möglichen Verfehlungen einzelner und einer zukunftsorientierten Interessenvertretung. (APA)

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