Noten bald Kriterium für Medizinstudium

21. Juli 2005, 11:56
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Graz, Innsbruck planen "Numerus clausus light" - Medizinuni Wien bleibt beim absoluten Aufnahmestopp

Wien - An den Medizinuniversitäten in Graz und Innsbruck sollen künftig auch die Schulnoten bei der Studienzulassung mitentscheiden. Für gute Noten im Maturazeugnis soll es einen Bonus bei der Platzvergabe geben.

Gilbert Reibnegger, Vizerektor für Lehre an der Medizin^uni Graz, will dennoch nicht vom Numerus clausus "im klassischen Sinn" sprechen. Er stimmt aber der These zu, "dass uns die EU eigentlich dazu zwingt, das NC-Modell des großen Bruders zu übernehmen". Auch Helga Fritsch, Vizerektorin an der Medizinuni Innsbruck, sagt im Gespräch mit dem Standard, man prüfe derzeit eine "faire Möglichkeit, die Maturanoten einzubeziehen". Derzeit werde ein Mix aus "harten" Kriterien wie "schulische, soziale, medizinische und naturwissenschaftliche Vorleistungen" und "weichen" wie der Studienmotivation erarbeitet.

Nach dem Anmeldestopp an der Medizin-Uni in Wien und dem bereits erschöpften Platzkontingent (550) in Innsbruck bleibt Medizin-Aspiranten nur noch die Möglichkeit, nach Graz auszuweichen. Dort werden alle Anmeldungen angenommen, am Ende des ersten Semesters wird jedoch ausgesiebt: Nur die ersten 100, die ein dreistufiges Reihungsverfahren passieren, kommen weiter. Nach ein bis zwei Jahren soll auf 300 Zweitsemestrige erweitert werden.

Rektorenchef Christoph Badelt erwartet, dass der Andrang deutscher Studieninteressenten nach Einführung von "seriösen Auswahlverfahren" an Österreichs Unis automatisch zurückgehen wird. Das EuGH-Urteil sei zwar "gesellschaftspolitisch problematisch", habe aber dazu geführt, dass endlich über die "Illusion, dass jeder alles studieren kann", geredet werde. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2005)

Von Karin Moser und Lisa Nimmervoll
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    Noten als ein Kriterium auf dem Weg zum Arzt.

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