Weitere Entspannung auf amerikanischen Ölmärkten

12. Juli 2005, 09:21
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81 Bohrinseln und 35 Bohrtürme und -schiffe im Golf von Mexiko hatten die Ölkonzerne evakuiert - nun gibt es Entwarnung

New York - Die amerikanischen Ölmärkte haben am Montag erleichtert aufgeatmet. Hurrikan "Dennis" war im Golf von Mexiko weiter östlich verlaufen als zunächst befürchtet und in Florida auf Land getroffen. Da sich die meisten Ölanlagen weiter im Westen befinden, hat "Dennis" nach ersten Erkenntnissen keine nennenswerten Schäden an Bohrinseln, Bohrtürmen und Pipelines im Golf von Mexiko sowie an den zahlreichen Raffinerien in Louisiana, Texas, Mississippi und Alabama angerichtet.

Öl zur August-Auslieferung fiel im elektronischen Handel am New Yorker Warenterminmarkt Nymex um 1,90 Prozent auf 58,50 Dollar, die Erdgas- und Heizölpreise gaben ebenfalls entsprechend nach. Ölhändler erwarteten für die kommenden Tage weitere Preisrückgänge. Der absolute Höchststand war am 7. Juli mit 62,10 Dollar je Barrel (159 Liter) erreicht worden.

Wachstumsprognose für Euroländer

Ungeachtet der weiter hohen Ölpreise hält die EU-Kommission vorerst an ihrer Wachstumsprognose für die Euroländer fest. "Wir müssen abwarten, wie sich die zweite Jahreshälfte entwickelt", sagte eine Kommissionssprecherin am Montag in Brüssel. Im Oktober oder November werde die Prognose überprüft. Anfang April hatte die Brüsseler Behörde für das laufende Jahr 1,6 Prozent Wachstum vorhergesagt und einen durchschnittlichen Ölpreis von 50,90 Dollar zu Grunde gelegt. EU-Währungskommissar Joaqui Almunia geht davon aus, dass ein Ölpreis von 60 Dollar das Wachstum um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte drückt.

Allerdings stützt der schwächere Eurokurs nach den Worten der Kommissionssprecherin derzeit die Konjunktur. Er helfe dem Export, sagte sie. Der Euro notiert seit Tagen um die Marke von 1,20 Dollar. Zu Jahresbeginn hatte die Gemeinschaftswährung noch um 1,35 Dollar gekostet.

Ein Drittel im Golf von Mexiko

Der Golf von Mexiko verbucht rund ein Drittel der amerikanischen Ölförderung. In den Anliegerstaaten befinden sich etwa die Hälfte der US-Raffineriekapazitäten. Über die Golfhäfen läuft etwa die Hälfte der amerikanischen Öleinfuhren. Die Ölkonzerne hatten nach Angaben der zuständigen US-Behörde MMS wegen "Dennis" insgesamt 81 von 819 Bohrinseln und 35 von 134 Bohrtürmen und -schiffen im Golf von Mexiko evakuiert. Es waren damit rund 14,7 Prozent der täglichen Ölförderung von 1,5 Millionen Barrels und 10,4 Prozent der Erdgasproduktion im Golf von Mexiko vorübergehend unterbrochen.

Daraufhin war zum Ende vergangener Woche auch der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) weiter angestiegen. Nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Montag kostete ein Barrel aus den Fördergebieten des Kartells am Freitag im Durchschnitt 54,94 US-Dollar. Das waren 12 Cent mehr als am Vortag. (APA/dpa)

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    Zumindest an den Bohrinseln im Golf von Mexiko richtete "Dennis" keine größeren Schäden an

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