OeNB: Nach Konjunkturdelle leichte Verbesserung

21. Juli 2005, 11:49
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0,5 Prozent Wachstum im dritten Quartal erwartet - Entscheidende Impulse für Konsum fehlen - Weiterer Ölpreisanstieg könnte Erholung Dämpfer erteilen

Wien - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) sieht nach einer Konjunkturdelle eine leichte Verbesserung der wirtschaftlichen Situation seit dem zweiten Quartal 2005. Für das zweite und dritte Quartal sei ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Österreich von 0,4 Prozent bzw. 0,5 Prozent saisonbereinigt im Vergleich zum Vorquartal zu erwarten, hieß es am Donnerstag im aktuellen OeNB-Konjunkturindikator.

Die Wachstumsprognose für das zweite Quartal 2005 wurde dabei im Vergleich zur letzten Veröffentlichung vom April 2005 leicht - um 0,1 Prozentpunkte - herabgesetzt. Die Wachstumsdelle im vierten Quartal 2004 und im ersten Quartal 2005 dürfte sich aber nicht weiter fortsetzen, wenngleich "weiterhin ernst zu nehmende Abwärtsrisiken bestehen", sagte OeNB-Direktoriumsmitglied Josef Christl. Das größte Risiko für den derzeitigen Konjunkturverlauf gehe weiterhin von den Rohölpreisen aus. Ein weiterer Ölpreisanstieg könnte der Konjunkturerholung einen spürbaren Dämpfer erteilen.

Abgeschwächte Dynamik

Die Dynamik der Wirtschaft habe sich nach einem durch Exporte und Investitionen getragenen kräftigen Wachstum gegen Jahresende 2004 abgeschwächt und im ersten Quartal 2005 ihren Tiefpunkt erreicht, so die OeNB. Die Investitionen sollten nach dem Rückgang im ersten Quartal, der angesichts der Vorzieheffekte durch das Auslaufen der Investitionszuwachsprämie "erstaunlich gering" gewesen sei, auf Grund der günstigen Finanzierungsbedingungen nun jedoch wieder Fahrt aufnehmen.

Der Tiefbau profitiere von Infrastrukturinvestitionen der öffentlichen Hand, heißt es im Konsujnkturindikator weiter. Im Hochbau deuten steigende Auftragsbestände auf eine solide Baukonjunktur hin.

Von beträchtlichen Risiken ist hingegen die weitere Entwicklung des privaten Konsums geprägt. Vor dem Hintergrund gestiegener Inflationsraten und erhöhten Vorsichts-Sparens reichen die aus der Steuerreform resultierenden aggregierten Einkommenszuwächse nicht aus, um dem Konsum entscheidende Impulse zu geben, meint die OeNB. Die Nationalbank geht daher auch für die nahe Zukunft von einem nur verhaltenen Wachstum des privaten Konsums aus.

Geringes Exportwachstum

Das geringe Exportwachstum in Österreich im ersten Quartal 2005 wurde laut OeNB maßgeblich durch den Rückgang der deutschen Importe verursacht. Die diversen Stimmungsindikatoren für den Euroraum könnten allerdings im Mai den Boden erreicht haben und begannen im Juni wieder vorsichtig ins Positive zu drehen, heißt es im Konjunkturindikator weiter. Zuletzt war auch eine leichte Erholung bei der Einschätzung der Auslandsaufträge durch die österreichischen Unternehmen zu beobachten.

Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Österreichs entwickle sich, bedingt durch moderate Lohnabschlüsse und die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar, derzeit sehr günstig und sollte den österreichischen Exporteuren Marktanteilsgewinne ermöglichen, meint die OeNB. (APA)

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    foto: standard/newald
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