AC/DC für die ganze Familie

7. Juli 2005, 20:33
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Fashion und Musik im Recordbag, dem einzigen von einer Frau betriebenen Plattenladen Wiens

Prinzipiell geht es ihr bei ihrem Plattenladen, dem "Recordbag", um "das Vermitteln eines Lebensgefühls", sagt Sylvia Benedikter. Darum beschränkt sich die 34-Jährige auch nicht auf den Verkauf von Tonträgern allein, sondern bietet all das Rundherum, das so ein Lebensgefühl ausmacht, ebenfalls an: (Band-)T-Shirts für Kids und Erwachsene, Uhren für Mods, flippige Handtaschen für flippige Leute bis hin zu Details wie Badges oder Aufnähern.

Ort der Kommunikation

Zudem hängt die frühere Marketingfrau des Virgin Megastore und Musik-Promotion-Managerin der schönen Idee nach, dass ein Plattenladen mehr ist als nur ein anonymer Beschaffungsort für Silberlinge und schwarzes Gold der anderen Art. Ein Plattenladen, ein guter Plattenladen, ist immer auch ein Ort der Kommunikation, ein Treffpunkt von Fans, die mit ihrer Meinung und ihrem Geschmack ebenso willkommen sind wie mit ihren Fragen und Wünschen. Eine wild wuchernde Gemeinde von - wie es im Englischen so schön heißt - "dedicated people". Außerdem ist so ein Shop der Gegenentwurf zu den Elektrogroßhändlern, die Musik nur deshalb führen, um das daran hängende Massenpublikum anzulocken und diesem ihre programmierbaren Heizdecken, einen Drittfernseher fürs stille Örtchen, sprechende Lockenwickler und andere lebenswichtige Dinge anzudrehen.

So kann es einem schon passieren, dass, wenn man dort zufällig eines Angestellten habhaft wird, einen dieser auf Verlangen nach der neuen Coldplay zu den Haushaltsgeräten schickt. Bis man von dort zurück ist, hat der eh schon den Job gewechselt. Aufgrund solcher "Experten" findet man dann auch Black Sabbath im Volksmusikregal und Rainhard Fendrich in der Rubrik "Hard & Heavy" - wobei - das stimmt ja fast schon wieder.

Für Frauen >>>

Service

Ein Laden wie der Recordbag bietet dagegen richtiges Service. Ebenso wie andere Wiener Musikläden wie das Substance, das Rave Up, das Black Market, Bounce und andere mehr. Der Recordbag - von der Mariahilfer Straße aus ein Mal Richtung sechsten Bezirk umfallen und man ist dort - entdeckte für sich eine "kleine" Marktlücke. Als einziger von einer Frau betriebener Plattenladen Wiens richtet er sich an über 50 Prozent der Weltbevölkerung - nämlich an Frauen. Ohne deshalb Männern die Türe zu weisen, versteht sich.

An eine Zielgruppe jedenfalls, der das männlich dominierte Business mit seinem Expertenmuckertum in dunkeln Hinterstuben und den dort schon auch zu kassierenden abschätzigen Blicken unangenehm ist. Die so gezüchtete Schwellenangst will sie den Leuten nehmen. Benedikter: "Zu mir kommen neben den Jungen auch viele Leute Mitte, Ende dreißig oder älter. Frauen, Familien mit Kids, die, wenn Musik für die Kleinen schön langsam ein Thema wird, auch den eigenen Neigungen wieder verstärkt nachgehen." Dem entsprechend ist das Angebot im Recordbag: Neben Neuerscheinungen, großteils aus dem Alternative-Sektor, legt Benedikter Wert auf einen gut sortierten Backkatalog. Sprich: Nicht nur gerade Angesagtes ist hier zu finden, sondern auch Klassiker älteren und jüngeren Datums. Auf CD, Vinyl und DVD. Wo findet man sonst, sagen wir, das Gesamtwerk der Berliner Bier- und Lebensphilosophen von Element of Crime?

Fashion >>>

Fashion

Das Modeangebot in dem hellen, freundlichen Shop hat schon etliche Kundinnen und Kunden mit Bekenner/innen-T-Shirts ausgestattet, die man sonst in Wien nicht bekommt. Die Black-Flag-Fans frohlocken, Lou-Reed-Fans ebenso, und der Autor dieser Zeilen schreibt diese in einem nagelneuen Hüsker-Dü-T-Shirt. Und mancher Eltern Kinder starteten mit neuem AC/DC-Shirt oder der Feststellung "Kinder-Punk" die Revolution im Kinderzimmer. Die Poster, die dort hängen, stammen ebenfalls aus dem Recordbag.

Die Textilabteilung, die neben T-Shirts vor allem aus Designerhemden, Jacken und Sakkos besteht, für die man eventuell überdurchschnittlich Mut braucht, will Benedikter ebenso erweitern wie den natürlich vorhandenen Bestellservice. Eine Homepage ist im Entstehen. Nur eines bietet sie im Moment noch nicht an: Plattentaschen, also Recordbags. (Karl Fluch, DER STANDARD, Print, Rondo, 8.7.2005)

Recordbag, 1060 Wien, Kollergerngasse 4.
Tel. / Fax: 01 / 920 16 03.
Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-18 Uhr.
recordbag@chello.at
  • Artikelbild
    foto: standard/heribert corn
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