Liebscher verteidigt das Zinsniveau

12. Juli 2005, 12:03
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Die Konjunktur im Euroland sei nur in einer "temporären Schwächephase"

Salzburg/Wien - Klaus Liebscher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), hat am Samstag vor EU-Pessimismus gewarnt.

Europa könne es sich "im Interesse seiner Bürger" nicht leisten, in Orientierungslosigkeit oder Stagnation zu verfallen. Unter einer harten Belastungsprobe sieht er zurzeit die europäische Fiskalpolitik. Einmal mehr verteidigte Liebscher die Zinspolitik der EZB gegen ihre Kritiker.

Als Stabilitätspolitiker sei er, Liebscher, überzeugt, dass mit einer Politik des "weichen Geldes" keinesfalls Wirtschaftswachstum angekurbelt oder Arbeitsplätze gesichert werden.

Preisstabilität als Grundlage für Wachstum und Beschäftigung

Im Gegenteil: Preisstabilität stehe nicht im Gegensatz zu Wachstum und Beschäftigung, sei vielmehr deren Grundlage, sagte Liebscher in Salzburg bei einer Festveranstaltung anlässlich 50 Jahre Deutsche Handelskammer in Österreich.

Von Inflation seien die Bezieher von Löhnen, Pensionen oder Sozialleistungen am meisten betroffen, mahnte Liebscher in seiner Verteidigung der Preisstabilität. Gerade die wirtschaftlich Schwächeren wären die eigentlichen Opfer von Inflation. Das seit zwei Jahren historisch niedrige Zinsniveau im Eurogebiet sei kein Hindernis für mehr Wachstum, bekräftigte der Notenbankchef. Hierfür seien Maßnahmen der Wirtschaftspolitik erforderlich.

Ausdrücklich betonte der EZB-Rat, dass das gegenwärtige Euro-Zinsniveau in der Eurozone weiterhin günstige Bedingungen für Konsum und Investitionen biete. In den wichtigsten Volkswirtschaften des Euroraums ist die aktuelle Konjunkturlage derzeit durch Abwärtsrevisionen der Wachstumserwartungen gekennzeichnet.

Verlangsamtes Tempo

Bereits gegen Ende des Jahres 2004 habe sich das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone verlangsamt. Liebscher zufolge gibt es aber "Anzeichen dafür, dass diese Verschlechterung der konjunkturellen Lage nur eine temporäre Schwächephase darstellt".

Gegen Jahresende 2005 sollten wieder Wachstumsraten nahe dem Potenzialwachstum erreicht werden. Ob und wie weit die Inlandsnachfrage wieder stärker zum Wachstum beitragen werde, hänge unter anderem auch von der weiteren Erdölpreis-Entwicklung ab, so Liebscher.

Die Inflation dürfte im Euroraum heuer nach Prognose des Eurosystems vom Juni zwischen 1,8 und 2,2 Prozent liegen. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.07.2005)

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