Pinzgaubahn: Ursachensuche nach Zugkollision

3. Juli 2005, 20:22
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Zwei Tote, 34 Verletzte - Technisches Gebrechen oder menschliches Versagen noch immer unklar

Zwei Tote, 34 zum Teil schwer Verletzte - das ist die Bilanz eines schweren Zugunglücks auf der Salzburger Pinzgaubahn vom Samstag. Warum die zwei Zuggarnituren auf der eingleisigen Strecke in voller Fahrt kollidierten, wird erst im Laufe dieser Woche geklärt werden.

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Salzburg - Technisches Gebrechen oder menschliches Versagen? Auch am Sonntag - einen Tag nachdem auf der Pinzgaubahn zwei Züge mit jeweils rund 50 Stundenkilometern frontal aufeinander prallten - war die Ursache des Bahnunglückes nicht geklärt. Fest steht nur, dass am Samstag eine der beiden Garnituren nicht, wie für die eingleisige Nebenbahn vorgesehen, an einer der Ausweichstellen auf den entgegenkommenden Zug gewartet hatte. Knapp vor zwölf Uhr Mittag kollidierten die Garnituren der Schmalspurbahn an einer unübersichtlichen Stelle in der Oberpinzgauer Gemeinde Bramberg nahezu ungebremst.

Wucht der Kollision war verheerend

Die Wucht der Kollision war verheerend: Die beiden Lokomotiven waren so stark ineinander verkeilt, dass sie nur mithilfe eines Bergepanzers des Heeres auseinander gerissen werden konnten. Vier der sechs Waggons sprangen aus den Schienen und kippten um. Bei dem Frontalzusammenstoß verloren zwei Menschen ihr Leben. Einer der Toten ist ein 40-jähriger Lokführer aus Saalfelden. Der zweite Lokführer wurde schwer verletzt, er war am Sonntag nicht ansprechbar.

Mehrere Touristen unter den Verletzten

Die Identität des zweiten Todesopfers - eine Touristin aus Österreich - ist den Behörden zwar bekannt, wurde aber mit Rücksicht auf die noch nicht verständigten Angehörigen Sonntagnachmittag nicht veröffentlicht. 34 der insgesamt 45 Fahrgäste - darunter auch Touristen aus den Niederlanden, Großbritannien und Italien - wurden zum Teil schwer verletzt, dürften aber außer Lebensgefahr sein. Obwohl sich die Bergung der Verletzten, wie auch die Aufräumarbeiten an der Bahnstrecke an der schwer zugänglichen Unglücksstelle schwierig gestalteten, funktionierte das Krisenmanagement der Einsatzkräfte ohne größere Pannen. Insgesamt waren sieben Hubschrauber, mehr als 200 Feuerwehrleute sowie 70 Ärzte und Sanitäter im Einsatz.

"Vereinfachter Betrieb"

Bei der Untersuchung der Unfallursache wird der so genannte vereinfachte Nebenbahn-Betrieb im Mittelpunkt stehen. Diese Betriebsform sieht vor, dass der Lokführer vom Fahrdienstleiter - bei der Pinzgaubahn in Zell am See - jeweils für den nächsten Abschnitt per Funk die Streckenfreigabe erhält. Begrenzt werden die Streckensektoren mit Ausweichstellen, wo entgegenkommende Züge aneinander vorbeifahren können. Lichtsignalanlagen gibt es auf der Strecke keine. Darüber hinaus erhält der Lokführer per GPS eine Warnung, sollte er weiter fahren, als die Strecke freigegeben ist.

Seit Sonntagfrüh fährt die Pinzgaubahn vorerst nur im eingeschränkten Betrieb. Zwischen Zell am See und Mühlbach ist der Bahnbetrieb aufrecht, von Mühlbach bis Krimml gibt es bis zur Klärung des Unglückherganges einen Schienenersatzverkehr.

Kritik an der Informationspolitik

Kritik an der Informationspolitik der ÖBB kommt in diesem Zusammenhang von den Salzburger Verkehrsinitiativen. Laut deren Sprecher, Peter Haibach, sei "der Funkverkehr aufgezeichnet worden." Die Unfallursache "muss jetzt schon bekannt sein". Haibach fordert von den ÖBB bestehende Fahrzeugreserven der Ybbstalbahn für die Pinzgaubahn bereitzustellen, um den Betrieb rasch wieder aufnehmen zu können. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe 4.7.2005)

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