VA Tech: EU-Entscheidung rückt näher

12. Juli 2005, 15:29
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Kommission könnte über die Übernahme des heimischen Anlagebauers VA Tech durch Siemens Österreich früher als erwartet entscheiden

Wien - Die EU-Kommission könnte über die Übernahme des österreichischen Anlagebauers VA Tech durch Siemens Österreich bereits in zwei Wochen entscheiden. Es gebe Signale, dass eine Entscheidung bereits am 13. Juli - und nicht wie bisher erwartet erst am 20. Juli - fallen könnte, sagte Siemens Österreich-Sprecher Karl Strasser am Donnerstag zur APA. Zuletzt war erwartet worden, dass die Kommission die Übernahme unter Auflagen genehmigen werde.

Als fix gilt, dass Siemens die VA Tech-Sparte ElinEBG in Österreich und den verantworteten osteuropäischen Ländern integrieren wird, während die Wasserkraft-Sparte (Hydro) mit den Gas-Kombi-Kraftwerken verkauft werden soll. Die Kartellwächter in Brüssel störten sich zuletzt daran, dass Siemens und VA Tech auf mehreren Märkten miteinander konkurrieren, etwa bei Wasserkraftanlagen, Stromverteilern und Schienenfahrzeugen, aber auch im Industrieanlagenbau und in der Gebäudetechnik. Die beiden Unternehmen haben nun Änderungen angeboten, mit denen die Übernahme dennoch vollzogen werden könnte. Für die zu verkaufenden Bereiche werden derzeit Interessenten gesucht.

Aufsichtsratssitzung

Die Übernahme der VA Tech steht heute und morgen auch auf der Tagesordnung der zweitägigen Aufsichtsratssitzung von Siemens Österreich. Siemens Österreich-Chef Albert Hochleitner werde über die mögliche Aufteilung und Integration der VA Tech Bericht erstatten, wesentliche strategische Beschlüsse zur VA Tech seien aber nicht geplant, sagte Strasser.

Der Verkauf des VA Tech-Kraftwerksbaus dürfte allerdings nicht einfach werden, da Haftungen und Garantien im Volumen von 1,8 Milliarden Euro Finanzinvestoren abschrecken würden, berichtet der "Standard". 600 Millionen Euro davon seien Bankgarantien mit Rückgarantien des VA Tech-Konzerns an die Banken, 1,2 Milliarden Euro direkte Haftungserklärungen des Konzerns an die Kunden. Als Interessenten im Gespräch sind Ex-VA-Tech-Investor Mirko Kovats sowie eine Investorengruppe rund um Herbert Paierl, KTM-Eigner Stefan Pierer (bzw. dessen Cross-Holding) und der Mittelstandsfinanzierer UIAG.

Übertragung von Haftung

Banken und Auftraggeber (darunter zahlreiche staatliche Energiekonzerne, Städte und Landesregierungen) müssten einer Übertragung von Haftungen bei jedem einzelnen Kraftwerksauftrag zustimmen, heißt es im Bericht. "Unter einem bei Banken deponierten Barvermögen von 500 Millionen Euro aufwärts wird sich da nichts abspielen", zitiert das Blatt einen Finanzexperten. Die immer wieder ins Spiel gebrachten Finanzinvestoren, insbesondere Fonds, kämen wiederum kaum in Frage, denn ein Fonds dürfe mit dem Fondsvermögen nicht haften. (APA)

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