"Schutz vor Gewalt, sexuellen Übergriffen und übler Nachrede"

8. Juli 2005, 13:55
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Diözese St. Pölten will mit Einrichtung von Ombudsstelle zur Klärung von Vorfällen wie zum guten Ruf von Priestern beitragen

St. Pölten - Die Diözese St. Pölten hat eine Ombudsstelle zum Schutz vor Gewalt, sexuellen Übergriffen und übler Nachrede eingerichtet. Anliegen sei es, allen Betroffenen - Kindern, Jugendlichen, Frauen, Männern, ErzieherInnen und Priestern - Hilfe zuteil werden zu lassen und in konkreten Fällen Klärung herbeizuführen, aber auch den Ruf der Priester zu wahren. Das betonte Bischof Klaus Küng bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in St. Pölten.

Das Vorhaben sei von Anfang an geplant gewesen, verwies der Bischof auf seine Erfahrungen in seiner früheren Diözese Feldkirch, wo eine derartige Einrichtung seit Jahren besteht. Er selbst habe Missbrauchsopfer priesterlich begleitet - manche würden sich erst nach Jahren öffnen.

Angebot

Die Ombudsstelle, mit deren Leitung Johann Zarl, Pfarrer von St. Valentin, betraut wurde, soll ein Hilfsangebot für jene darstellen, die Übergriffe erlitten haben oder sich bedroht fühlen. Wichtig ist Küng aber auch die Beratung jener, die falschen Anschuldigungen ausgesetzt sind. Es gelte ebenso, den Ruf der Priester zu wahren. Dem Team gehören ein Priester, ein Arzt, eine Rechtsexpertin und ein Fachmann aus dem sozialen Bereich an. Telefonisch ist die Stelle vorerst über das diözesane Ordinariat (Tel. 02742 / 324) zu erreichen, eine Mail-Adresse wird eingerichtet (ombudsstelle@kirche.at).

"Keine Spezialität der Kirche"

Dechant Zarl (Dekanat Haag) hat neben seiner seelsorglichen Tätigkeit (auch für die Jungschar) Erfahrung im erzieherischen Bereich: Er war jahrelang Rektor des bischöflichen Seminars Johanneum in Melk. Zu dieser zusätzlichen Aufgabe meinte er, es liege ihm viel an der Glaubwürdigkeit der Kirche - "dass wir Dinge nicht vertuschen, sondern Problemfälle aufdecken". Die Opfer sollen sehen, dass ihre Stimme gehört wird.

Die meisten Fälle seien leider im familiären Bereich angesiedelt, Missbrauch sei "keine Spezialität der Kirche", meinte Küng, auf die Frage des Zölibates angesprochen. Es sei aber ein großes Anliegen, jeden Fall zu klären.

Priesterseminar wird wieder eröffnet

Küng, der im Vorjahr als Visitator zur Untersuchung homosexueller Vorkommnisse und der Kinderporno-Affäre im Priesterseminar eingesetzt worden war und die Einrichtung in der Folge vorübergehend schließen ließ und im März eine neue Leitung einsetzte, erklärte, das Priesterseminar werde im Herbst wieder geöffnet. Von den ursprünglich 28 Seminaristen, die den Wunsch hatten, zu bleiben, seien nach intensiven Gesprächen 14 in die Auswahl gekommen. Nach derzeitigem Stand werden neun bis zehn im Herbst beginnen. Hinsichtlich des früheren Regens und Subregens des Alumnates, mit denen eine "Auszeit" vereinbart wurde, werde in den nächsten Wochen eine Entscheidung fallen.

Über den "Profil"-Bericht zeigte sich der Bischof unter Hinweis auf seine eindeutige Stellungnahme "sehr überrascht". Es habe sich um einen einmaligen Zugriff auf pornografische Web-Seiten im Jänner in der philosophisch-theologischen Hochschule gehandelt, wo auch Besucher hinkommen. In Konsequenz sei die verpflichtende Eintragung von Usern und die Benützung eines Passwortes verfügt worden. (APA)

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