BSE - Gefahr im Rinderhirn

2. Juli 2005, 19:38
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Befallene Tiere werden aggressiv, schreckhaft und verenden qualvoll

Wien - Die schwammartige fortschreitende Gehirnschädigung des Rindes, genannt Bovine Spongiforme Enzephalopathie (kurz: BSE) ist inzwischen vermutlich die am meisten gefürchtete Tierkrankheit. Als Ursache des so genannten Rinderwahnsinns - und auch der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit - werden kleine, krankhaft veränderte Eiweiße (Prionen) vermutet. Prionen kommen grundsätzlich in zwei verschiedenen Formen vor. Experten sprechen auch von "unterschiedlichen Faltungen" dieses Eiweißstoffes. Genau auf den Unterschied kommt es jedoch an.

Qualvolles Ende

Während die "gesunde" Form der Prionen ein ganz normaler Bestandteil von Organismen ist, gilt sein "Verwandter" als pathogen, also als krankmachend. Das Fatale daran: Trifft ein normales Eiweiß auf ein krankmachendes, so kippt auch dieses in die pathogene Form, eine Kettenreaktion tritt ein. Die Erreger befallen das zentrale Nervensystem, dessen Gewebe sich dramatisch verändert. Im Gehirn des betroffenen Tieres entstehen schwammartige Löcher.

Was für die Wissenschafter ursprünglich so überraschend war: Mit den schädlichen Prionen gibt es sozusagen "Krankheitserreger", die sich weiter verbreiten können, ohne selbst lebende Organismen zu sein. Deshalb dauerte es auch so lange, bis die Fachwelt den Theorien und wissenschaftlichen Arbeiten des Entdeckers der Prionen, Stanley B. Prusiner, glaubte. Er wurde schließlich im Jahr 1997 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet.

Tiere werden schreckhaft

Wie die Krankheit bei den Tieren bemerkbar wird: Die Rinder werden aggressiv und weisen Bewegungs- und Verhaltensstörungen auf. Erstes Symptom ist demnach das Einknicken der Hinterhand. Dazu fallen die Rinder durch plötzliches Erschrecken bei geringsten Anlässen auf: Etwa wenn plötzlich Licht eingeschaltet wird oder wenn ein Besenstiel zu Boden fällt. Die Tiere verenden qualvoll, wenn sie nicht vorher getötet werden.

BSE ist nach gängiger Theorie entstanden, weil Tierfutter-Hersteller in Großbritannien 1980 Schafskadaver zur Futterverarbeitung nicht mehr sorgsam sterilisiert hatten. Fleisch- und Knochenmehl enthielt Erreger aus Scrapie-kranken Schafen, die ebenfalls ein schwammartig verändertes Gehirn aufweisen.

Die ersten Schritte zum Nachweis von BSE im Fleisch geschlachteter Rinder erfolgen durch so genannte Schnelltests. Dabei wird das krankmachende Eiweiß meist mit Hilfe des Enzyms "Protease K" nachgewiesen, was innerhalb von acht Stunden möglich ist. Die weiteren Tests zur Bestätigung eines Verdachtes dauern hingegen Tage. Möglich sind eine histologische Untersuchung sowie Verfahren, die ähnlich wie der Schnelltest funktionieren, nur aufwendiger sind. (APA)

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