Operation "Weg mit dem Müll!"

4. Juli 2005, 11:31
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Die Regierung unter Präsident Mugabe vertreibt Hunderttausende und zerstört ihre Häuser

Harare - Den 180 Waisen im Waisenhaus von Hatcliffe wurde ein Tag Zeit gelassen, bis die Caterpillar kamen. In den Slums der Hauptstadt Harare und in kleinen Städten fahren die Planierraupen über Marktstände und Wellblechbaracken jener Menschen, die nach der Vertreibung von den Farmen auf der Suche nach Arbeit in die Stadt gezogen sind. Etwa 30.000 Menschen wurden bislang verhaftet, weil sie "illegal Waren verkauft und die Wirtschaft sabotiert haben", so die Regierung. Etwa 11 Prozent haben in Simbabwe einen regulären Job.

Schlangen von Bussen

Friedrich T. (Name von der Redaktion geändert), ein Landwirt berichtet: "Wenn man aus irgendeiner Stadt fährt, sieht man Schlangen von Busen bepackt mit den Besitzungen der Leute, die aufs Land flüchten. Dort können sich aber nicht einmal die Leute selbst ernähren. Das letzte, was sie wollen, ist ihre Verwandten aus der Stadt aushalten zu müssen." Seit dem Beginn der Aktion "Murambatsvina - Weg mit dem Müll" vor einem Monat wurden 200.000 Menschen obdachlos. Sie leben nun in Lagern ohne sauberes Wasser, sie schlafen unter freiem Himmel, zur kältesten Jahreszeit. Sie nennen die Katastrophe "Simbabwes Tsunami". Die UNO befürchtet, dass durch die Aktion "zur Wiederherstellung der Ordnung", wie sie Diktator Robert Mugabe nennt, zwei Millionen Menschen vertrieben werden könnten.

Nun wird eine UN-Sondergesandte in das südafrikanische Land geschickt. Trotzdem geht die Regierung jetzt auch auf florierende Außenbezirke Harares los, um "illegale Besitzentwicklungen" zu stoppen. Vergangenen Sonntag fuhren die Bulldozer in Chitungwiza auf. Die Oppositionspartei MDC ist sich sicher, dass es darum geht, ihre Unterstützer zu bestrafen. Bei den Wahlen Ende März hatten viele Stadtbewohner die MDC gewählt. Einige von ihnen wurden schon kurz danach ermordet. Zudem sucht die Regierung Sündenböcke für den wirtschaftlichen Verfall des Landes. Die Inflationsrate liegt bei 129 Prozent. Es fehlt an Nahrung. Das Anlegen von Gemüsegärten in den Städten wurde verboten. Um Widerstand vorzubeugen, wurden Spitzel zu den Flüchtlingen entsandt, berichten Medien.

Und auch die Vertreibung von weißen Farmern geht weiter. Die schwangere Ärztin Petra B. wurde Anfang Juni mit Steinen von der Farm ihres Mannes gejagt. (awö/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2005)

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    Tendai Ndoro und sein Bruder Kuda vor ihrer abgebrannten "Hütte" in Ruwa, nahe der Hauptstadt Harare. Die Unterkünfte von 200.000 Menschen wurden in Simbabwe zerstört.

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