(Un)beweglich

28. November 2005, 10:39
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"move or go": Headhunter bemühen sich um Manager, die fix in eines der Nachbarländer gehen

Attila Dogudan sucht aktuell 100 Leute für sein Gastronomie-Imperium, die er global einsetzen kann. Er findet sie in Österreich nicht. Headhunter bemühen sich um Manager, die nicht nur von Montag bis Freitag als "road warriors" auf Achse sein wollen, sondern fix in eines der Nachbarländer gehen. Internationale Konzerne fahren teilweise schon das Programm "move or go".

Unbeweglichkeit, Beharrungsvermögen, kurz: mangelnde Mobilität wird den Österreichern insgesamt vorgeworfen. Wiener nach Salzburg zu bringen sei oft schon ein Kunststück, bemängeln Personalberater.

Gleichzeitig dröhnt der Imperativ nach umfangreicher Auslandserfahrung im Zuge der Globalisierung wie ein Vorwurf. Wer etwas werden will, der soll sich gefälligst bewegen. Selbst für Amerikaner in durchschnittlichen Jobs sei es ja auch kein Problem, von der West- an die Ostküste zu ziehen oder das Haus in Alabama mit einem in Ohio zu tauschen.

Sind wir wirklich Schlümpfe, die sich nur in ihrem Schlumpfland wohl fühlen? Nein. Denn bei der Ursachenanalyse erscheint, dass Auslandskarrieren zu zwei Dritteln an der Familie "scheitern". Es geht also um Lebensentwürfe. Da wird es etwas differenzierter. Und da hat sich die Planung umgedreht: Zunehmend soll sich die Karriere ins Leben einfügen, nicht das Leben der Karriere untergeordnet werden.

Und: Der Vergleich mit der gepriesenen Mobilität in den USA hinkt. Europa ist kein sprachlich und kulturell (weit gehend) homogener Kontinent. Das Umfeld für Beweglichkeit ist schwieriger. Es stimmt schon, dass wir Österreicher umdenken müssen. Unternehmen, die möglichst mobile "emerging talents" wollen, sind aber auch gefordert, Konzessionen zu machen und Anreize zu bieten. (DER STANDARD, Printausgabe vom 18./19.6.2005)

Von
Karin Bauer
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