Nichts hören, Nichts sehen, Nichts sagen

28. März 2006, 11:28
posten

In einer Diktatur aufzuwachsen heißt, sich zwei mal überlegen was man wo und wie sagt.

Seit 1997 tobt in Zentralafrika ein Krieg um die Vormachtstellung im rohstoffreichen Kongo der bis heute über 3 Millionen Menschenleben gefordert hat. Trotzdem zieht die Situation an den europäischen Medien beinahe spurlos vorüber.

Der in Österreich lebende Künstler Topoke verbrachte die ersten 15 Jahre seines Lebens in Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo. Damals hieß der Staat noch Zaire und wurde von Diktator Mobutu regiert. „In einer Diktatur aufzuwachsen heißt, sich zwei mal überlegen was man wo und wie sagt. Die Korruption ermöglicht eine Vielzahl an illegalen Aktivitäten und Raubbau an Wirtschaft und vor allem an den Menschen. Das war mir schon damals als Kind bewusst, weil es Teil der Realität und zum Alltag gehört.“

Nach der Befreiung entbrannte ein Kampf um die Macht und damit um die Kontrolle der Rohstoffe, an dem mehr als sieben afrikanische Staaten beteiligt sind. Durch diesen Krieg sind viele Regionen von humanitärer Hilfe abgeschnitten, es fehlt an Basisgesundheitsversorgung, Medikamenten gegen behandelbare Krankheiten sowie an Wasser- und Nahrungsversorgung. Auch an Möglichkeit zur psychosozialen Versorgung, vor allem für sexuell missbrauchte Frauen und traumatisierte Kinder, mangelt es. Die meisten westlichen Regierungen haben kaum Interesse an der Lösung dieses Konflikts, da sie an Waffenlieferungen verdienen und von durch den Krieg gesenkten Rohstoffpreisen profitieren. Daher ist auch das Interesse der Medien ein Geringes (Nur 15 Presseagenturen weltweit sind unabhängig von ihrer Regierung). Die Bevölkerung wird kaum über die Situation im Kongo informiert, somit ist sowohl die Spendenfreude als auch der Protest gegen kriegsunterstützende Maßnahmen der Regierungen praktisch nicht vorhanden. Der zivilen kongolesischen Bevölkerung bleibt somit meist nicht anderes als die Flucht aus ihrem Heimatland.

„Rund 1,6 Millionen Kongolesen gelten als Vertriebene und Flüchtlinge.“ (Dr. Peter Struck, deutscher Bundesminister für Verteidigung)

Einige von ihnen leben wie Topoke in Österreich und haben hier mit einem neuen Problem zu kämpfen: Rassismus. Mit seiner Musik als Teil der HipHop-Gruppe „Tres Monos“ kämpft er gegen Rassismus und Vorurteile. In Anlehnung an die Geschichte der drei Affen die nichts Böses sehen, hören oder sagen konnten, wollen „Tres Monos“ das Gegenteil tun und auf die Missstände in unserer Gesellschaft aufmerksam machen. Das nächste Mal zu sehen sind sie auf dem 11. Flüchtlingsball im Wiener Rathaus am 4. Februar.

Von Livia Gerstenberger und Bettina Gmoser

Dieser Text entstand beim Jung-Reporterwettbewerb von Ärzte ohne Grenzen und dem SchülerStandard. Die zwei Siegertexte sind jede von Lisa Hochfellner und Markus Kirchsteiger, die anderen drei sind zweitplatziert.

Termin zum Thema: Podiumsdiskussion "Vergessene Katastrophen - Österreichs Verantwortung in der Welt"
Share if you care.