Punkte für Wissen über Geschichte

2. Dezember 2005, 11:54
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Mr. Mathematik: "Nicht auf Tests reduzieren" - Dir Standards seinen aber prinzipiell etwas gutes

STANDARD: Was halten Sie von Leistungsstandards zur Überprüfung der Mathematik-Kompetenz von Schülern?

Taschner: Diese Standards sind prinzipiell etwas Gutes, wir wollen aber auch Kenntnisse vermitteln, die weit über das Testniveau hinausgehen. Es wäre schlimm, wenn Mathematik darauf reduziert würde, nur ein Testgegenstand zu sein. Es ist jedenfalls sehr gut, wenn wir in Österreich jetzt selbst solche Tests entwickeln. Da werden die Fragen nicht vom Lehrer erstellt, der die Klasse gleichzeitig unterrichtet. Es ist ein Ansporn, wenn die Kinder merken, ,der ist auf unserer Seite', wenn der Lehrer vermittelt, ,wir werden das gemeinsam über die Bühne bringen'.

STANDARD: Wie kann man Freude an der Mathematik vermitteln und gleichzeitig bessere Pisa-Ergebnisse erzielen?

Taschner: Es gab etwa ein Pisa-Beispiel, wo man die Tiefe des Tschadsees in Zentralafrika berechnen musste. Das kann man beim Neusiedlersee genauso machen. Dann betrifft es die Kinder mehr. Mathematik kann man auch mit Geschichten verbinden. Die wirklich spannenden Fragen sind ja jene drum herum - wie zum Beispiel der Satz von Pythagoras entstanden ist.

STANDARD: Wie wär's mit Zusatzpunkten für diejenigen, die das beantworten können?

Taschner: Nicht nur Zusatzpunkte. Das sind die Punkte würde ich sagen.

STANDARD: Welche Mathematikkenntnisse muss ein Jugendlicher haben?

Taschner: Dreizehn-, Vierzehnjährige sollten das Prozentrechnen beherrschen, sie sollten wissen, wie man eine Statistik liest. Die muss man überprüfen können, denn Zahlen haben unhinterfragt den Nimbus der absoluten Wahrheit. Mathematik ist ja auch ein Element der Aufklärung, das darf man nicht vergessen. Jugendliche müssen auch wissen, was mit dem Durchschnittseinkommen gemeint ist: das, was die meisten Österreicher verdienen, oder der Mittelwert der Erwerbstätigen mit hohem und jener mit niedrigem Einkommen. (Karin Moser/DER STANDARD-Printausgabe,1.6.2005))

ZUR PERSON:

Rudolf Taschner (52) ist Mathematiker, Physiker, Chemiker, Philosoph. 2005 war der Leiter des math.space "Wissenschafter des Jahres".
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