Einmalige Integration mit Clemens dem Bären

2. Dezember 2005, 15:10
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Erstmals in den zehn Jahren Cyberschool gewann ein Mädchenteam Gold in der Kategorie Classics: Mit einer Lernsoftware für lernschwache gehörlose Kinder

Wien - Clemens, der Bär, wandert mit bunten Luftballons über den Bildschirm. Ist eine Aufgabe komplett gelöst, fliegt er sogar an seinen Ballons quer über den PC.

Ihre Lernsoftware mit Clemens dem Bär als Leitfigur, führte erstmals in zehn Jahren Cyberschool zwei Mädchen zum Sieg in der Kategorie Classics: Susanne Küffner (19) und Lara Spendier (18) von der HTL Pinkafeld (Stmk.) entwickelten eine Lernsoftware für lernschwache gehörlose Kinder, die den gesamten Wortschatz einer Volksschule berücksichtigt. Entstanden ist das Unterfangen, das als "Girls Only" Projekt bei Cyberschol eingereicht wurde, auf Nachfrage des Bundesinstituts für Gehörlose hin. Bei dem Begriff "Girls only" handelt es sich um keine eigene Kategorie des Wettbewerbs, sondern um eine zusätzliche Bewertung der Projekte, die ausschließlich von Mädchen erstellt wurden. Ziel dabei ist es, Mädchen Mut zu machen, mit Technik und den Neuen Medien zu arbeiten.

Susanne und Lara fanden den Mut, die Lernsoftware BIG zu entwickeln auch durch die Tatsache, dass es ein derartiges Lernprogramm schlicht noch nie zuvor gab. Zwar gäbe es Lernsoftware - auch für gehörlose Kinder - en masse, doch ein entsprechendes Programm für gehörlose und lernschwache Kinder stellte bisher eine Marktlücke dar. "Es war unser Anliegen, dass diese Kinder nicht ausgeschlossen werden", beschreibt Susanne den idealistischen Ansatz. "Sie sollen genauso arbeiten können wie andere und integriert werden", was mit nun möglich sei.

Spaß am Lernen

Eine besonders schöne Erfahrung sei es gewesen, mitzuerleben, wie die Kinder auf ihr Lernprogramm reagierten. "Als das Projekt in die höheren Entwicklungsstadien gekommen ist, haben wir das Programm mit den Kindern gemeinsam ausprobiert", erzählt Lara begeistert.

Klar war, dass die Kinder "etwas sehen müssen - sonst macht das Lernen schließlich keinen Spaß." Mit einer Fülle von Bildern wird der Umgang mit Gebärden, die Zuordnung von Wörtern und das Verstehen von Lippenbewegungen spielerisch gelernt. Von Anfang an sei die Idee einer Leitfigur vorhanden gewesen: Clemens, der Bär mit den Luftballons wurde kreiert.

Nach einigen Testdurchläufen ist das Programm nun endgültig fertig, "in den Ferien arbeiten die Kinder noch testhalber damit, im Herbst soll es dann aber in den Schulbetrieb eingeführt werden", so Lara. "Dass wir es als Mädchenteam auf den ersten Platz geschafft haben, ist ein tolles Gefühl", freut sich Susanne, die den Wettbewerb als "sehr spannend" beschreibt. Es habe kaum Gelegenheit gegeben, über den Ausgang zu spekulieren. "Unser Sieg kam überraschend, weil so viele andere tolle Projekte dabei waren".

"Es freut mich besonders, dass ein Mädchenprojekt gewonnen hat", zeigt sich Gabriele Singer von der APA beeindruckt. Der soziale Beweggrund faszinierte auch Jurymitglied Harald Mairböck von der Telekom Austria: "Man merkt, dass sich die beiden wirklich mit den betroffenen Schülern auseinander gesetzt haben. Was wir gesehen haben: ein toller Praxisbezug." (Isabella Hager/DER STANDARD-Printausgabe, 31.5.2005)

  • "Gehörlose und lernschwache Kinder sollen genauso wie die anderen arbeiten können und integriert werden", beschreibt Susanne Küffner (19, links), die gemeinsam mit Lara Spendier (18) in der Kategorie Classics reüssierte. Idealismus war das Erfolgsrezept.
    foto: standard/fischer

    "Gehörlose und lernschwache Kinder sollen genauso wie die anderen arbeiten können und integriert werden", beschreibt Susanne Küffner (19, links), die gemeinsam mit Lara Spendier (18) in der Kategorie Classics reüssierte. Idealismus war das Erfolgsrezept.

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