Osttiroler am Großglockner von Stein erschlagen

30. Mai 2005, 13:42
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Serie von Alpinunfällen in Kärntens Bergen - Deutsche Urlauber aus Bergnot gerettet

Klagenfurt - In Kärnten hat es am Wochenende eine ganze Serie von Alpinunfällen gegeben. Am Sonntag ereignete sich auf dem Großglockner ein Bergunglück mit tödlichem Ausgang. Ein Osttiroler wurde in der Pallavicini-Rinne von einem Stein erschlagen. Am Nachmittag gerieten zwei deutsche Urlauber im Glocknergebiet in Bergnot, sie wurden vom Hubschrauber geborgen. Für den Chef der Kärntner Bergrettung, Reinhold Dörflinger, ist Leichtsinn die Unfallursache Nummer Eins.

Ein 46 Jahre alter Mittelschullehrer aus Dölsach bei Lienz war Sonntag in der Früh mit einem Begleiter in Richtung Großglockner-Gipfel aufgestiegen. Gegen 9.30 Uhr befanden sich die zwei Kletterer in der Pallavicini-Rinne, als sich ein Stein mit rund 20 Zentimeter Durchmesser löste und den Osttiroler am Kopf traf. Der Stein schlug mit solcher Wucht auf, dass dem Mann auch sein Schutzhelm nichts nützte. "Den Helm hat es total zerbröselt", sagte ein Beamter des Postens Heiligenblut der APA.

Bergnot

Der Bergkamerad des Verunglückten stieg aus der Rinne ab, um Hilfe zu holen. Er geriet dabei in eine Steinlawine, die ihn ein Stück weit mitriss. Dabei verlor er seinen Rucksack, in dem sich auch sein Mobiltelefon befand. Dadurch konnte er erst zu Mittag die Gendarmerie verständigen. Die Leiche des Osttirolers wurde vom Hubschrauber zu Tal gebracht, er war nach dem Steinschlag sofort tot gewesen. Es war bereits das zweite Opfer am Glockner an diesem Wochenende. Erst am Samstag war ein 61 Jahre alter Salzburger beim Aufstieg an einem Herz-Kreislaufversagen gestorben.

Kaum war der Helikopter-Einsatz vorbei, musste die Gendarmerie ihn erneut anfordern. Im Bereich der so genannten Maierl-Rampe waren zwei deutsche Urlauber in Bergnot geraten. Einer der beiden hatte seine Steigeisen verloren und konnte daher nicht mehr weitergehen. Laut Gendarmerie blieben die beiden aber unverletzt.

Am Samstagabend mussten die Retter zwei ungarische Bergwanderer von der Lorenzner Alm oberhalb des Weißensees mit dem Hubschrauber zu Tal bringen. Die 45-jährige Ärztin und der 33-jährige Sanitäter hatten sich in unwegsamem Gelände verirrt. Wenige Stunden zuvor hatten am Großglockner einen 36 Jahre alten Niederösterreicher die Kräfte verlassen, er wurde mit dem Rettungshubschrauber aus 3.600 Meter Höhe geholt.

Am Freitag mussten die Retter ein Ehepaar aus Oberösterreich und einen ungarischen Bergsteiger vom Großglockner holen. Dörflinger meinte am Sonntag, dass vor allem die Bergsteiger aus Osteuropa die Gefahr unterschätzen würden: "Schneefelder sind einfach nur mit gutem Schuhwerk, Eispickel und Steigeisen zu betreten." Oft seien die Alpinisten auch konditionell nicht auf der Höhe, dazu komme die Hitze, die vielfach unterschätzt werde.

Ein Rettungsflug kostet zwischen 2.500 und 4.000 Euro, das Geld müssen die Geretteten selbst aufbringen. Laut Dörflinger gibt es aber vielfach Probleme. Rechnungen würden als unzustellbar zurückgeschickt, eine rechtliche Grundlage, um das Geld einzutreiben, gebe es jedoch nicht. Insgesamt bezifferte er die dadurch entstehenden finanziellen Ausfälle mit 20 Prozent. (APA)

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