SeaOrbiter: Ein 51 Meter großes Techno-Seepferdchen

29. Mai 2005, 12:00
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Futuristisches Gefährt des Franzosen Jacques Rougerie soll in senkrechter Stille mit der Strömung treiben

Paris - Der französische Architekt Jacques Rougerie hofft auf die baldige Erfüllung eines lang gehegten Traums: Schon in knapp drei Jahren soll sein SeaOrbiter, ein futuristisches Gefährt von insgesamt 51 Meter Höhe, wie ein Riesen-Seepferdchen senkrecht durch den Atlantik treiben. "Es wird eine neue Art sein, die Unterwasserwelt zu sehen", schwärmt Rougerie - "ein Abenteuer für Forscher."

Auch 130 Jahre nach dem fantastischen Vernes-Roman "20.000 Meilen unterm Meer" sind weite Teile der Ozeane nicht erforscht. Wissenschafter vermuten, dass sich in ihnen zahlreiche noch unbekannte Lebenswesen tummeln. Bisher mussten die Forscher mit Unzulänglichkeiten kämpfen: Tauchgänge sind wegen des Sauerstoffvorrats zeitlich begrenzt, Forschungs-U-Boote klein und unbequem, die Motorengeräusche vertreiben die Tiere. Der SeaOrbiter soll dagegen still mit der Strömung treiben. Eine "Oase des Lebens" werde sich um das Gefährt bilden, hofft Rougerie - immerhin zögen schwimmende Gegenstände neugierige Meeresbewohner magisch an.

Aufnahmen im Internet

So hofft der Visionär auf einen einzigartigen Beobachtungsplatz für Forscher. Rougerie will auch die breite Öffentlichkeit für die Unterwasserlandschaften begeistern - und auf die Gefahren durch Umweltverschmutzung hinweisen. Kameraaufnahmen des SeaOrbiters sollen zum Beispiel ins Internet gestellt werden. Nur ein Drittel der Forschungsstation soll über Wasser zu sehen sein, die restlichen 30 Meter ragen unter die Wasseroberfläche und werden mit Sichtfenstern ausgestattet sein. Biologen und Akustiker können sich auf aufwändig ausgestattete Labors freuen. Ferngesteuerte Kameras sollen Aufnahmen in bis zu 600 Metern Tiefe ermöglichen.

In Teilen des Schiffs wird der Luftdruck dem Unterwasserdruck angepasst. "Wenn die Forscher etwas Interessantes sehen, brauchen sie sich nur einen Tauchanzug überzuziehen und durch eine Schleuse ins Wasser hinauszugleiten", erläutert Rougerie.

Von tiefsten Tiefen in höchste Höhen

Der Hochdruckbereich bietet acht von insgesamt 18 Besatzungsmitgliedern Platz. Mehrere von ihnen sollen Astronauten sein - der SeaOrbiter sieht nicht nur aus wie ein Raumschiff, er soll auch Trainingsstation für Weltraumbesucher sein. "Im Wasser nähern sich die Bewegungen denen im All an", erläutert Rougerie. "Und der Bereich für die Astronauten kommt dem einer Raumkapsel ziemlich nahe." Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat bereits Interesse an Trainingsgängen angemeldet.

Schon jetzt ist die NASA über ihr Tiefseeforschungsprogramm NEEMO am SeaOrbit-Projekt beteiligt. NEEMO-Leiter Bill Todd gehört zu dem Team von gut 15 Mitarbeitern, das die von Rougerie vor zehn Jahren erstmals entworfene Idee vorantreibt. Beteiligt sind auch Vertreter des norwegischen Marineforschungsinstituts Marintek und des Pariser Ozeanographischen Instituts. Rougeries Büro befindet sich auf einem Schiff auf der Seine in Paris. Aber vor allem das Leben unter Wasser zog ihn immer wieder magisch an: So entwarf er schon in den siebziger Jahren Siedlungen auf dem Meeresgrund oder futuristisch anmutende U-Boote.

Suche nach Sponsoren

Dass Rougerie jetzt mit seinem SeaOrbiter an die Öffentlichkeit geht, hat einen Grund: Zur Umsetzung seines großen Traums fehlt ihm noch das Geld. 25 Millionen Euro veranschlagt der ambitionierte Architekt für den Bau des Wundergefährts und die erste Reise, die in den Golfstrom führen soll. Zwei Financiers will er schon gefunden haben: Eine auf Unterwassertechnik spezialisierte Firma aus Marseille und den französischen Bau- und Energiekonzern Vinci.

Wie viel Geld noch fehlt, wird nicht verraten. Die Planungen sollen aber bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein, dann könnte der SeaOrbiter 2008 in See stechen.(APA)

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