Neo-Bischof Fischer: "Über Homosexualität ist ernstlich nachzudenken"

27. Mai 2005, 13:51
86 Postings

Feldkircher Kirchenoberhaupt spricht sich für klassische Form der Familie aus: "Die Kirche gestattet sich, Grundsätze zu haben"

Bregenz - Der designierte Feldkircher Bischof Elmar Fischer hat sich am Mittwoch in der ORF Radio Vorarlberg-Sendung "Aktuelles Thema" für die klassische Form der Familie ausgesprochen. Selbstverständlich gebe es auch in anderer Form "gute Familien", doch gestatte sich die Kirche, Grundsätze zu haben. Zur Frage des Priestertums für Frauen sagte Fischer, diesbezüglich habe Papst Johannes Paul bereits eine klare Antwort gegeben.

"Wenn ich alles genehmige, was genehmige ich dann noch?", fragte Fischer auf sein Familienbild angesprochen. Dann müsse man auch mit allen Konsequenzen rechnen und zufrieden sein. "Die Kirche gestattet sich, Grundsätze zu haben", so Fischer. Das sei auch die Chance der Kirche, "das herauszustellen und zu sagen, wie das gelebt werden kann".

Frauen in der Erziehung "ungemein wertvoll"

Als Antwort auf die Frage einer Hörerin, die das Priestertum auch für Frauen einforderte, unterschied Fischer zwischen dem Weihe-Priestertum und dem Allgemeinen Priestertum. Im Allgemeinen Priestertum wolle er die Frauen "ganz hoch wertschätzen. Ich kenne das aus der Erziehung, da sind sie ungemein wertvoll", sagte der neue Bischof von Feldkirch. Es sei nicht so, dass Frauen in der Kirche nichts zu sagen hätten. "Meines Wissens nach sind zwei Drittel der Pfarrgemeinderatsvorstände Frauen", so Fischer. Die letzte Klärung der Frage bringe die Bibel.

Homosexualität

Fischer bezeichnete am Mittwoch Homosexualität als ein Thema, "über das ernstlich nachzudenken ist, dieser Meinung bin ich". Fischer hatte 1996 mit Äußerungen über Homosexualität für Aufsehen gesorgt und hatte sich entschuldigen müssen. Er habe damals auf ein Problem aufmerksam machen wollen, sagte Fischer gegenüber ORF Radio Vorarlberg.

"Ich hatte nie die Absicht zu diskriminieren oder jemanden zu beleidigen", sagte der neue Bischof der Diözese Feldkirch. Dass er aber für Betroffene relativ hart vorgegangen sei, "das hat sich herausgestellt".

Aufregung 1996

Fischer hatte 1996 in einem Schreiben an alle katholischen Pfarrämter der Diözese den Zusammenhang zwischen Homosexualität und Promiskuität betont. 74 Prozent der männlichen Homosexuellen hätten im Lauf ihres Lebens mehr als hundert Sexualpartner, hieß es. Außerdem würden sich homosexuelle Menschen viel öfter an Kinder heranmachen als heterosexuelle Pädophile. Auch eine deutlich erhöhte Anfälligkeit Homosexueller für Alkohol- und Drogenmissbrauch, für Depressionen und für Selbstmordversuche sei gegeben.

Streng konservativ

Der 68-jährige Fischer gilt als streng konservativ. Kritische Stimmen im Vorarlberger Klerus richten sich vor allem gegen das Alter des neuen Bischofs. Einige ließen bereits durchklingen, dass sie sich einen jüngeren und zukunftsorientierten Kandidaten gewünscht hätten. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Entscheidung für Fischer hatte etwa der Rankweiler Pfarrer Wilfried Blum gemeint, Fischer werde überfordert sein. Elmar Fischer wird am 3. Juli zum neuen Bischof der Diözese Feldkirch geweiht. (APA)

Share if you care.