Frächter sehen sich immer stärker als Kriminalitätsopfer

27. Mai 2005, 08:28
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Diebstähle machen den Frächtern neben der Konkurrenz aus dem Osten zunehmend zu schaffen. Treibstoff, Ersatzteile und ganze Lkw-Ladungen verschwinden

Wien - "Der Fahrer ist dann in Italien 150 Kilometer entfernt wieder aufgewacht, um die Entladung hat er sich nicht mehr kümmern müssen: Die Batterien, die er transportiert hat, waren weg." Heinz Schierhuber, stellvertretender Obmann des Frächter-Fachverbandes in der Wirtschaftskammer, kennt das Problem der steigenden Kriminalität im Güterbeförderungsgewerbe aus dem eigenen Betrieb.

"Aus Italien und Frankreich kennt man das schon von früher, mittlerweile gibt es aber auch in Österreich schon Fälle, wo Fahrer auf Parkplätzen betäubt und ausgeraubt werden", sekundiert Frächter-Obmann Nikolaus Glisisc am Montag bei einer Pressekonferenz. Seit etwa eineinhalb Jahren registrieren die Interessensvertreter eine steigende Zahl von Zwischenfällen - konkrete Daten dazu haben sie allerdings nicht. Denn der Termindruck und wachsende internationale Konkurrenz halten die Frächter nach eigenen Angaben davon ab, jeden Diebstahl anzuzeigen.

Tank leergesaugt

"Mich hat ein Fahrer von einem Parkplatz in Krems aus angerufen und gesagt, dass ihm jemand den Tank fast leergesaugt hat. Ich hab aber dann gesagt, er soll nicht bei der Gendarmerie die Zeit verschwenden, er hat ja einen Termin einzuhalten", gesteht beispielsweise Schierhuber ein.

Auch abmontierte Ersatzteile oder Reservereifen werden nicht immer bei der Exekutive gemeldet. Die daher erst von den Medien mit dem Wunsch der Frächter nach besserer Überwachung konfrontiert wird. "Wir werden uns jetzt einmal die Daten anschauen, Gespräche suchen und uns geeignete Maßnahmen überlegen", kündigt Gerald Hestzera, Sprecher des Bundeskriminalamtes, an.

Zwei Tätergruppen

Hinter den Tätern vermuten die Frächter zwei Gruppen. Einerseits Auftragstäter, die es gezielt auf die Ladung abgesehen haben. Die Diebstähle von Ersatzteilen und Treibstoff gehen dagegen eher auf das Konto der Konkurrenz aus den EU-Erweiterungsstaaten, mutmaßen die Unternehmer.

Die mit dieser Konkurrenz überhaupt ihre liebe Not haben. "Wir kommen auf Kosten von 90 Cent bis ein Euro pro Kilometer. In den Nachbarstaaten wird dagegen für 50 bis 70 Cent pro Kilometer gefahren", rechnet Fachverbandsobmann Glisic vor. Und warnt gleichzeitig vor den Folgen dieses Preisunterschiedes.

Pleiten verdoppelt "Wir hatten im gesamten Vorjahr 345 Insolvenzen, im ersten Quartal heuer waren es schon 150. Insgesamt wird sich die Zahl der Insolvenzen heuer mindestens verdoppeln", fürchtet er. Untersuchungen hätten auch gezeigt, dass die Rate der Pleiten im Güterbeförderungsgewerbe 30 Prozent über dem Schnitt aller Branchen liegt.

Logische Konsequenz aus Sicht der Unternehmer: Kraftfahrzeugsteuer und Lohnnebenkosten müssten drastisch gesenkt werden, um den Betrieben das Überleben zu sichern. Michael Möseneder, DER STANDARD – Printausgabe, 24.05.2005)

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