Der verleugnete Gaszähler

25. Mai 2005, 09:26
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Es war vorige Woche. Da hatte R. dann den Beweis, dass ihm das Gaswerk doch glaubt - Obwohl die Leute am Gas-Telefon ...

Es war vorige Woche. Da hatte R. dann den Beweis, dass ihm das Gaswerk doch glaubt. Obwohl die Leute am Gas-Telefon das nicht zugeben: R., haben sie R. gesagt, habe nämlich keinen Gasanschluss.

R. ist übersiedelt. Und wie sich das gehört, bekam er bald Post. (Darüber, dass eigentlich seine Freundin die Post bekommen sollen hätte, die Hausverwaltung aber nicht daran glaubt, dass auch Frauen –rein theoretisch - in der Lage sein können, Energie zu bezahlen, regt er sich, sagt R. schon gar nicht mehr auf. Dafür fehle ihm nach der Siedelei die Kraft.) Und genau genommen bekam ja gar nicht er die Post, sondern seine Nachbarin (Bei der hat die Hausverwaltung beim Ummeldung-Bekanntgeben wohl ein Auge zugedrückt: Ihr Freund ist Ausländer).

Zweimal Strom, einmal Gas

Die Post kam von Wienstrom – und besagte, dass die (auch soeben eingezogene) Nachbarin zwei Strom- und einen Gasanschluss habe. Und folglich auch R.s Strom zu bezahlen habe. Es dauerte, erzählt R., lediglich zwei Wochen, insgesamt drei Stunden in Warteschleifen und einen längeren Mailwechsel, bis die Energieversorger festgestellt hatten, dass sich da wer geirrt haben müsse: Wienstrom sicher nicht, die Hausverwaltung wahrscheinlich auch nicht –am ehesten wohl R. und seine Nachbarin. Die sitzen einfach in den falschen Wohnungen. Oder so ähnlich.

R. – und auch seine Nachbarin – trugen es mit Fassung. Irgendwann fiel ihnen aber doch auf, dass da ein Gasanschluss zu wenig auf den Anmeldezetteln stand. (Zunächst war allerdings nicht klar, bei wem Wienenergie keinen Anschluss vermutete: Einmal wurde jedenfalls der Nachbarin beschieden, sie koche, heize und bade mit Strom ­ im Zuge des Stromzählerzuordnungschaos ging das irgendwie unter.)

Zwei Gaszähler mit Seriennummer

Tatsächlich ­ R. betont, das beweisen zu können – verfüge aber jede Wohnung über einen Strom und einen Gaszähler. Ordnungsgemäß von jener Firma plombiert und mit Energie beschickt, die nun Anschluss und Gerät verleugnet. Dass es sich dabei um seinen Gasanschluss handelt, hat R. mittlerweile schriftlich: Seine Nachbarin konnte ihren Gaszähler – mit richtiger Seriennummer und korrekter Adresse – tatsächlich auf ihren eigenen Namen anmelden. Auch der Strom fließt schon richtig. Aber Gas, sagt R. sagt man ihm beim Gaswerk stets, habe er keines.

Über die Gründe für diese Verleugnung nachzudenken, hatte R. allerdings noch keine Zeit: Als er vergangene Woche seine Kontoauszüge überprüfte, sah er, dass ihm das Gaswerk schon Geld abgebucht hatte: Für das Ummelden des zu seiner Wohnung gehörenden Gasanschlusses. Sechs Euro für genau keine Leistung (egal, sagt R., darum gehe es ihm hier gar nicht).

Erstaunte Bank

Denn wenige Sekunden nach der Freude darüber, dass ihm jemand, der Geld für einen Gasanschluss von ihm einhebe, den Anschluss wohl kaum mehr wegargumentieren könne begann R. sich zu wundern: Wie war das Gaswerk eigentlich an sein Geld gekommen? Eine von R. gegengezeichnete Anmeldung gibt es nicht. Von einer Einziehungsermächtigung ganz zu schweigen.

Bei R.s Bank fand man die Einziehung ohne Ermächtigung erstaunlich bis faszinierend. Ob man die sechs Euro zurückholen solle? R. sagt, er habe da dann doch abgewunken: Formal, meint er, wäre das ja richtig – aber in der Sache überzogen: An der Zahlung käme er ja ohnehin nicht vorbei. Seine Rache, erzählt R., habe er viel subtiler angelegt: Er habe in der Direktion der Energielieferanten angerufen. Und sei dort so lange lästig gewesen, bis man ihm zugesagt habe, die Angelegenheit intern zu überprüfen. Etwas schlimmeres, weiß R., konnte er denen, die ihn jetzt über Wochen geärgert haben, nicht antun.

  • Auch als Buch: Die besten Stadtgeschichten aus dem Stadtgeschichten - Archiv - zum Wiederlesen & Weiterschenken.
"Wiener Stadtgeschichten" mit Illustrationen von Andrea Satrapa-Binder, Echomedia Verlag Ges.m.b.H., ISBN 3-901761-29-2, 14,90 Euro.

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  • Von Montag bis Freitag täglich eine Stadtgeschichte
von Thomas Rottenberg

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