EU importiert Millionen Wildvögel

28. Mai 2005, 11:07
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Artenschützer fordern Verbot

Die Europäische Union importiert nach Angaben von Tierschützern jährlich rund 1,75 Millionen Ziervögel, die in freier Wildbahn gefangen wurden. Etwa noch einmal so viele kämen nach vorsichtigen Schätzungen beim Fang und auf dem gesamten Transport um, berichtete die Organisation Pro Wildlife, die eine Untersuchung über den Handel mit Wildvögeln erstellt hat.

Bei den Graupapageien beispielsweise verendeten je nach afrikanischem Herkunftsland zwischen 45 und 82 Prozent in Folge grausamer Fangmethoden oder zusammengepfercht in unhygienischen und überfüllten Kisten. Der Handel sei nicht nur ein immenses Artenschutzproblem, sondern berge etwa mit der in Asien grassierenden Vogelgrippe auch erhebliche Gesundheitsgefahren, betonte Pro Wildlife am Montag in München.

Weltgrößter Abnehmer

Mit 87 Prozent der nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen registrierten Importe sei die EU mit Abstand weltgrößter Abnehmer von Ziervögeln. Während die Europäische Vogelschutzrichtlinie den Fang heimischer Vögel für den Tierhandel streng verbiete, seien der Einfuhr von "Exoten" aus Afrika, Asien oder Südamerika kaum Grenzen gesetzt.

Nach einer Analyse der weltweiten Vogelimporte führte die EU von 1994 bis 2003 fast zehn Millionen international geschützte Vögel ein, darunter Papageien, Beos und Chinanachtigallen. 90 Prozent der Tiere stammten aus freier Wildbahn. Den Vogelliebhabern sei kaum bewusst, dass ein Großteil der hier zu Lande in Zoo-Geschäften angebotenen Tiere aus der Freiheit gefangen worden seien. Zusätzlich seien Millionen ungeschützter Vögel wie Prachtfinken und Gimpel eingeführt worden, für die allerdings keine genauen Zahlen vorlägen.

Einfuhrverbot gefordert

Die USA haben laut Pro Wildlife bereits vor zwölf Jahren den Handel mit Wildvögeln weitgehend gestoppt und damit schätzungsweise 8,5 Millionen Tiere gerettet. Schweden und Dänemark verbieten bereits die Haltung wildgefangener Vögel.

"Die EU muss dringend ein einheitliches Einfuhrverbot für Wildvögel schaffen - Deutschland als einer der größten Abnehmer sollte hier eine Vorreiterrolle übernehmen", forderte eine Sprecherin des Verbandes. Wegen der Vogelgrippe gilt laut Pro Wildlife in der EU derzeit noch ein Importverbot für Vögel aus acht asiatischen Ländern, allerdings ende dies am 30. September 2005. (APA/dpa)

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