Trap macht Benfica glücklich

31. Mai 2005, 21:23
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Unter der Anleitung von Giovanni Trapattoni wurden die Lissaboner nach elf Jahren wieder portugiesischer Meister

Lissabon/Madrid - Giovanni Trapattoni hat mit Benfica die portugiesische Fußballmeisterschaft gewonnen, aber nach nur einem Jahr in Portugal anscheinend schon fertig. "Ich habe Heimweh nach Italien", hatte der Italiener kürzlich geklagt. "Dort würde ich notfalls sogar einen Klub in der Serie B trainieren."

Heimweh nach Italien

Die Presse brachte den 66-jährige Trainer bereits mit AS Roma und Lazio in Verbindung. Der Radiosender TSF berichtete, Benfica habe Spaniens Ex-Nationalcoach Jose Antonio Camacho als neuen Trainer verpflichtet.

Nach dem Titelgewinn relativierte Trap auf dem Höhepunkt der Jubelfeiern jedoch die Ankündigung, nach Italien heimzukehren. "Ich werde mit meiner Frau sprechen. Dann werde ich mich entscheiden", erklärte der Trainer in der Nacht zum Montag und fügte kleinlaut hinzu: "Ich hätte schon Lust, mit diesem Benfica-Team in der Champions League zu spielen."

Grenzenloser Jubel

Der Virtuose unter den Fußballlehrern, der in München wegen seines legendären "Ich habe fertig"-Ausspruchs unvergessen ist, verhalf Benfica zum ersten Titelgewinn nach einer Durststrecke von elf Jahren. Als die "Adler" am Sonntagabend mit dem 1:1 bei Boavista Porto den Titelgewinn perfekt machten, kannte der Jubel unter den Fans keine Grenzen.

In ganz Portugal - von Nord bis Süd - feierten Hunderttausende von Benfica-Anhängern in den Straßen. Sogar in den Ex-Kolonien Angola, Mosambik und auf den Kapverden wurde gejubelt. In Lissabon bereiteten 60.000 Fans dem Team vor Morgengrauen einen begeisterten Empfang im Estadio Da Luz.

Einzigartige Feiern

"In meinen 40 Jahren im Profi-Fußball habe noch nie so tolle Fans erlebt", schwärmte "Trap". Für den Italiener war dies die neunte Landesmeisterschaft nach seinen sechs Titeln mit Juventus Turin und je einem mit Inter Mailand und Bayern München.

Das große alte Benfica, in den 60er Jahren mit dem "schwarzen Panter" Eusebio die führende Fußballmacht in Europa, hatte sich jahrelang vergeblich bemüht, an den Ruhm der alten Zeit anzuknüpfen. Seit dem letzten Titelgewinn 1994 verschliss der Rekordmeister vier Klubpräsidenten und elf Trainer, er ließ sein Stadion abreißen und eine neue Arena errichten.

Die bewährte Methode

Um Benfica zum 31. Titel zu verhelfen, griff Trapattoni auf die bewährte die italienische Methode der Defensivstrategie zurück. Dies brachte ihm häufig Kritik ein. Am Ende reichten Benfica 65 Punkte zum Titel - die magerste Bilanz eines Meisters in der Geschichte der "Superliga".

Der Titelverteidiger und bis Mittwoch amtierende Champions League- Sieger FC Porto ging leer aus. Für die "Drachen" reichte es ohne den zu Chelsea gewechselten Erfolgstrainer Jose Mourinho nur zur Vizemeisterschaft. Trainer Jose Couceiro, der dritte Coach in dieser Saison, kündigte seinen Rücktritt an. Als Nachfolger wird der Niederländer Co Adriaanse von AZ Alkmaar gehandelt. (APA/dpa)

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    Trap wird von seinen Mitarbeitern in den Jubelschwitzkasten genommen.

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