Klagenfurt: Polizei ermittelt nach Großbrand in Baumarkt

23. Mai 2005, 14:03
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Acht Millionen Euro Schaden - Ermittlung wegen Brandstiftung - 500 Feuerwehrmänner waren im Einsatz

Klagenfurt – Es war der zweite Großbrand in der Klagenfurter Industriezone binnen drei Wochen. Diesmal hatte es den Baumarkt ÖBAU Egger – noch während der Geschäftszeit gegen 16.15 Uhr – ein traditionsreiches Familienunternehmen erwischt, das kurz vor dem 60-Jahr-Jubiläum und einem Generationenwechsel steht. Beide Brandobjekte liegen nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt.

Feuerwehr und Kriminalpolizei sind alarmiert. Brandstiftung wird in beiden Fällen nicht ausgeschlossen. Deshalb wurden auch Brandermittler aus dem Innenministerium zur Unterstützung beordert. Bereits am Sonntag wurde in den noch immer glosenden Trümmern des Baumarkts nach der Brandursache gesucht.

500 Feuerwehrleute

„Der Brandmelder hat in der Sanitärabteilung angeschlagen“, erzählt Brandmeister Erich Sornig im Gespräch mit dem Standard: „Erst schien es gar nicht so schlimm zu sein. Dann brach in der Abteilung, in der Farben, Lacke und Gaskartuschen gelagert sind, ein heftiges Feuer los, das sich rasend schnell ausbreitete.“ Dicker, pechschwarzer Rauch verdunkelte den strahlend blauen Nachmittagshimmel. Die Rauchsäule war im Umkreis von 25 Kilometern zu sehen. Die rund 500 Männer von insgesamt 20 Feuerwehren aus Klagenfurt und Umgebung kämpften stundenlang gegen die Feuerwände, die durch den starken Wind und explodierende Gaskartuschen, Lacke und Lösungsmittel immer wieder neu angefacht wurden.

Glühende Geschoß

Glühende Teile flogen wie Geschoße bis zu hundert Meter weit und bohrten sich tief in den Boden: „Das war lebensgefährlich“, erzählt ein Anrainer. Einige Wohnhäuser in unmittelbarer Umgebung mussten evakuiert werden. Da man auch den Austritt giftiger Chemikalien befürchtete, wurde die Klagenfurter Bevölkerung von der Landeswarnzentrale aufgefordert, nicht ins Freie zu gehen und die Fenster zu schließen. „Die Schadstoffaustritte haben die erlaubten Grenzwerte Gott sei Dank nicht überschritten“, sagt der Klagenfurter Feuerwehrreferent Christian Scheider (BZÖ).

Gefahr für die Anrainer – der Baumarkt befindet sich im Wohngebiet – habe es nicht gegeben. Angrenzende Bewohner bemängeln, dass es keinerlei Sicherheitszone zwischen dem Baumarkt und den Wohnhäusern gibt.

Sieben Verletzte

Ein großer Teil der Lagerhallen und der Ware der Firma ÖBAU Egger ist vernichtet. Die Verkaufsräume blieben weit gehend unversehrt. Sieben Menschen wurden verletzt. Der Schaden beträgt rund sechs bis acht Millionen Euro, bestätigt Firmenchef Karl Egger am Sonntag. Er ist durch Versicherungen gedeckt. Egger: „Wir machen weiter. Keiner der 130 Mitarbeiter wird gekündigt.“ Schon am Montag will man mit dem Ausverkauf der unversehrten Ware beginnen. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD Printausgabe, 23.05.2005)

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