Die Favoriten kommen wieder aus Kenia

22. Mai 2005, 12:40
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Vierter kenianischer Herren-Erfolg en suite möglich - Barsosio bei Damen außer Konkurrenz - Hobby­läufer erwartet Hitzeschlacht

Wien - Von der Papierform her werden die Kenianer auch in diesem Jahr das Geschehen beim 22. Vienna City Marathon am Sonntag (9:30 Uhr/live ORF 1) bestimmen. Haben bei den Männern in den vergangenen drei Jahren Läufer aus Kenia gewonnen, so wäre ein Erfolg 2005 bei den Frauen der erst zweite in der Geschichte des VCM überhaupt. Die Streckenrekorde von 2:08:35 Stunden (Samson Kandie/KEN/2004) und 2:23:47 (Maura Viceconte/ITA/2000) sind auf Grund der zu erwartenden Temperaturen eher nicht in Gefahr.

Höhentraining in Bolivien

Zu favorisieren sind Vorjahressieger Kandie und Japhet Kosgei. Als Geheimtipps gelten Boniface Usisivu, der im Vorjahr als Pacemaker in Wien bei Kilometer 19 ausstieg, und der Äthiopier Tereje Wodajo, der den Kenianern den Triumph streitig machen könnte. Usisivu kam mit einer speziellen Vorbereitung nach Österreich, er absolvierte ein dreiwöchiges Höhentraining in Bolivien. "Wir waren eine Gruppe von sechs Kenianern und haben in bis zu 4.950 m Höhe trainiert. Normalerweise benötigen wir in schnellen Trainingsläufen 3:00 bis 3:03 Minuten für den Kilometer, da oben haben wir es kaum in vier Minuten geschafft", sprach der 30-Jährige die Extrembedingungen an.

Nach seinem Auftritt als Tempomacher 2004 in Wien hat er nur noch den Honolulu-Marathon im Dezember absolviert und war dort in 2:14 Stunden Vierter. "Es war sehr heiß damals", denkt er zurück, eine Erfahrung, die er auch am Sonntag wieder abrufen kann. Beim Start am Morgen sollte es um die 17, 18 Grad Celsius haben, wenn die Elite nach etwas mehr als zwei Stunden ins Ziel kommt, dürfte das Quecksilber im Thermometer bereits auf bis zu 21, 22 Grad geklettert sein. Die Höchstwerte am Sonntag mit bis zu 26 Grad werden für 14:00/15:00 Uhr erwartet, viele Hobbyläufer werden es noch am eigenen Leib spüren.

Der für das Athletenfeld verantwortliche Mark Milde hat vor allem Kosgei auf der Rechnung: "Ich muss mich da aber auch auf Manageraussagen verlassen, er hat nur in Kenia trainiert, ich habe ihn also nicht beobachtet." Der 36-Jährige Kosgei hat 2004 keinen Lauf über 42,195 km bestritten, sein letzter Start war im März 2003 in Otsu in Japan, damals hat er in 2:07:39 Stunden gewonnen.

Vorjahressieger Kandie geht hoch motiviert ins Rennen, nach seinem Triumph in der Donaumetropole hat er als Erinnerung seine am 25. Mai geborene Tochter "Vienna Kipchirchir" benannt. Am Start ist erstmals auch ein Olympiasieger, der Südafrikaner Josiah Thugwane gewann 1996 in Atlanta und will in Wien unter 2:12 Stunden bleiben.

Barsosio allein auf weiter Flur

Bei den Frauen ist die 28-jährige Kenianerin Florence Barsosio als Eliteläuferin allein auf weiter Flur, sie hat eine Bestzeit von 2:27:00 Stunden (Fünfte New York 2000) zu Buche stehen und war heuer am 10. April in Paris in 2:27:18 Zweite. "Wir haben uns danach für Wien entschieden, weil wir dachten, es gibt ein starkes Frauenfeld, das ist nun nicht so. Es wird deshalb schwierig, meine Bestzeit zu verbessern", sagte die früherer Bahnläuferin, die 2001 bei der WM in Edmonton Marathonsechste war und danach ein Baby bekommen hat. Bisher hat sich erst eine Kenianerin in die Siegerliste des Wien-Marathons eingetragen, 1992 gewann Pasqualine Wangui. (APA)

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    Die Top-Athleten des "Vienna City Marathon 2005": Japhet Kosgei (KEN), Samson Kandie (KEN), Florence Barsosio (KEN), Josiah Thugwane (RSA) und Boniface Usisivu (KEN). (v.li)

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