Kategorisches Denken hemmt

23. Mai 2005, 13:46
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Wissen stört das Gedächtnis, und im Winter schrumpft das Hirn

Heidelberg/London - Auch für das Gedächtnis sei weniger manchmal mehr, fasste Dienstag das Bild der Wissenschaft eine US-Studie an Kindern und jungen Erwachsenen zusammen: Je mehr ein Mensch über ein Thema weiß, desto schlechter könne er sich Details merken. Daher behielten Kinder viel mehr Einzelheiten eines Bildes im Gedächtnis als Erwachsene, die das Gesehene in Kategorien einordneten. Der Übergang zwischen den beiden Wahrnehmungsformen erfolge nach und nach.

Den Probanden wurden verschiedene Tierbilder gezeigt, bei einigen Katzen wurde auf Besonderheiten hingewiesen. In Testreihen mussten diese Spezifika zugeordnet beziehungsweise schon einmal gezeigte Bilder erkannt werden.

Grund für die bessere Gedächtnisleistung der Kinder sei fehlendes Vorwissen gewesen, auch hätten sie die Tiere nicht in Kategorien eingeteilt. Erwachsene hätten aufgehört, individuelle Details zu beachten, als sie begriffen, dass nur Katzen die Besonderheiten besitzen. Kinder hätten sich auf Ähnlichkeiten zwischen den Tieren konzentriert, sich so viel mehr Details gemerkt.

Über ein anderes Phänomen berichtete Dienstag Nature: Kurze Wintertage, damit weniger Sonnenlicht, lasse laut US-Studien die Gehirne von Mäusen schrumpfen: Die Nager sparten so Energie, dabei leide aber ihr räumliches Gedächtnis und ihr Erinnerungsvermögen. Ausgelöst werde die Hirnschrumpfung durch das lichtsensible Hormon Melatonin, das auch Menschen besitzen - möglich also, dass saisonale Gemütsschwankungen, Winterdepression, Konzentrationsschwäche u. Ä. mit einer Veränderung der Hirnstruktur einhergehen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.05.2005)

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