EU droht China Importbeschränkungen an

17. Mai 2005, 17:11
2 Postings

Streit nun vor WTO - Handelskommissar Mandelson hofft noch auf Selbstbeschränkung Chinas - Massive Produktionsrückgänge in Europa

Brüssel - Die EU-Kommission droht China Beschränkungen beim Import verschiedener Textilien an, sollte das Land nicht rasch effiziente Selbstbeschränkungsmaßnahmen erlassen. EU-Handelskommissar Peter Mandelson bringt jetzt vorsorglich den Streit mit China über den Import von T-Shirts und Leinengarn vor die Welthandelsorganisation WTO, wie er am Dienstag in Brüssel vor Journalisten ankündigte.

China habe bereits vor einer Woche Maßnahmen angekündigt, die innerhalb eines Monats die Exportflut des Landes eindämmen sollen, erinnerte Mandelson. Sollten sie wirksam sein, werde das auch beim offiziellen Verfahren vor der WTO, das bis zu 90 Tage dauern kann, berücksichtigt. Sollte es aber keine "raschen und effizienten" Kontrollen in China geben, dann werde die EU vorerst bis zum Jahresende befristete "quantitative Beschränkungen" erlassen. Diese würden dann immer noch ein Importwachstum um 7,5 Prozent zulassen. Quoten wie bisher werde es nicht mehr geben, so Mandelson.

"Klare Hinweise für Marktstörungen"

Die EU rufe nun das Eilverfahren gegen die Importflut chinesischer Textilien an, weil es klare Hinweise für Marktstörungen in einigen Mitgliedsländern gebe, sagte Mandelson. Der Anstieg der Importe alleine reiche dafür nicht aus. Allerdings habe die EU-Kommission das Problem, dass noch nicht aus allen Mitgliedsländern Zahlen für das erste Quartal vorlägen.

Die EU untersucht seit dem 29. April Importe von chinesischen Textilien aus neun Kategorien. Der Import von T-Shirts habe im ersten Quartal 2005 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 187 Prozent zugenommen, der von Leinengarn um 56 Prozent, teilte Mandelson die ersten Ergebnisse der Untersuchungen mit. Damit wurden aus China im ersten Quartal 2005 243 Mio. T-Shirts importiert, nach 84 Mio. in der Vorjahresperiode. Das sei mehr als die Hälfte der Jahresproduktion der EU. Die Importpreise seien parallel dazu um 36 Prozent gefallen. Der Anteil Chinas am EU-Markt für T-Shirts sei von sieben Prozent im Vorjahr auf 18 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres gestiegen.

Produktion drastisch gesunken

In Folge sei im Jahresabstand die Produktion von T-Shirts in Griechenland, Portugal und Slowenien um 8 bis 50 Prozent zurückgegangen. Bei Leinengarn sei die Produktion europaweit um 25 Prozent gesunken, die Beschäftigung um 13 Prozent. Parallel dazu sei auch die Textilindustrie anderer nach Europa exportierender Länder betroffen: Exporte von T-Shirts nach Europa seien in Pakistan (37 Prozent), Sri Lanka (25 Prozent) und Bangladesh (9 Prozent) deutlich gefallen. Die Importe von Leinengarn aus Indien seien um 67 Prozent gefallen. (APA)

Share if you care.