Kabul will auf Kidnapper-Forderungen eingehen

20. Mai 2005, 19:59
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Entführer der italienischen CARE-Mitarbeiterin fordert Enthaftung seiner Mutter - Kabul dementiert Tötung

Rom, Kabul - Über das Schicksal der in Afghanistan verschleppten italienischen Entwicklungshelferin gab es am Freitag widersprüchliche Angaben. Die Mitarbeiterin der Organisation Care sei getötet worden, sagte ein Mann, der sich als ihr Entführer ausgab, der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir haben sie gestern Abend um neun Uhr mit einem Strick erdrosselt", fügte er hinzu.

Ein Sprecher der afghanischen Regierung wies dies jedoch als falsch zurück. Die 32-jährige Clementina Cantoni sei noch am Leben, erklärte der Sprecher. Cantoni war am Montag in der afghanischen Hauptstadt Kabul entführt worden.

Vermittlungen im Gange

Die Regierung in Afghanistan unter Präsident Hamid Karzai ist bereit, die Forderungen der Entführer der italienischen Helferin Clementina Cantoni anzunehmen. Dies verlautete aus dem Innenministerium in Kabul nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Vermittlungen seien mit dem mutmaßlichen Entführer der Italienerin, Timor Shah, im Gange, der die Enthaftung seiner Mutter und einiger Komplizen, die sich wegen Mordes in Haft befinden, als Bedingung für die Freilassung der Mailänderin stellt.

Shah fordert auch die Suspendierung eines TV-Programms, die Zerstörung der Mohnblumenfelder zur Drogenproduktion, ein Verkaufsverbot für Spirituosen und der Bau neuer Koranschulen. Shah wird beschuldigt, den Sohn eines afghanischen Unternehmers getötet zu haben. Wegen dieses Verbrechens befinden sich seine Mutter und einige Komplizen hinter Gittern, berichtete "Corriere della Sera".

Wohlauf und am Leben

Die von den USA gestützte afghanische Regierung bat um die Unterstützung der religiösen Behörden in Kabul, die sich als Vermittler bei den Verhandlungen um die Freilassung der 32-jährigen Mitarbeiterin des internationalen Hilfswerks CARE einsetzen sollen. "Die lokalen Behörden haben uns versichert, dass Clementina am Leben und wohlauf ist", berichtete der italienische Botschafter in Kabul, Ettore Sequi.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai versicherte am Donnerstag den italienischen Behörden, dass keine Initiativen zur Freilassung der in Kabul entführten Italienerin Cantoni ohne Zustimmung der römischen Regierung ergriffen werden. In einem Telefongespräch mit dem italienischen Außenminister Gianfranco Fini bekräftigte Karzai die Bereitschaft seiner Regierung zur vollen Kooperation mit Italien zur Freilassung der italienischen Helferin, die am Montag verschleppt worden war.

"Gewöhnliche Kriminelle"

Nach Angaben des italienischen Staatsfernsehens RAI berichtete Karzai, dass die Entführer der 32-jährigen Helferin "gewöhnliche Kriminelle" und keine Terroristen seien. Alle Kanäle seien aktiviert worden, um eine Freilassung der Mailänderin zu erreichen, berichtete Karzai. Er zeigte sich überzeugt, dass es bald zu einem positiven Ende der Geiselhaft kommen werde.

Die Mailänderin war am Montag in der Innenstadt von Kabul entführt worden. Die Kidnapper hatten die Frau in ihre Gewalt gebracht, als diese in einem Auto gemeinsam mit einer kanadischen Kollegin und einem Fahrer im Zentrum Kabuls unterwegs war. Vier bewaffnete Männer hatten die Italienerin zum Aussteigen gezwungen, anschließend waren sie mit der Geisel geflüchtet. Der Kanadierin war nichts geschehen. (APA)

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    Clementina Cantoni mit afghanischen Kindern auf einem Archivbild

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