Frauenförderung als Lippenbekenntnis

13. Mai 2005, 21:01
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Frauen in der Wissenschaft: Ina Wagner, Gabriele Fischer und Margit Reiter diskutierten mit Barbara Prammer im Parlament - mit Grafik

Der Anteil ordentlicher Professorinnen im Jahr 2004/2005 betrage elf Prozent, leitete Lydia Miklautsch, Germanistin und Moderatorin des Symposions "Kritische Karrieren: Frauen in der Wissenschaft" im Parlament, ein. Die Frauenförderung universitärer Karrieren - großteils in männlicher Hand -, hätte durch konsequentes Nichtverfolgen von Gleichberechtigungsmaßnahmen durch männliche Rektoren nicht viel gebracht, nahm sie eine ernüchternde Erkenntnis vorweg.

Im Fokus der Veranstaltung standen drei Wissenschafterinnen: Ina Wagner, Leiterin des Institutes für Gestaltungs-und Wirkungsforschung an der TU Wien, gewährte Einblick in Biografien des naturwissenschaftlich-technischen Bereiches. Gabriele Fischer, Professorin an der Uniklinik für Psychiatrie, thematisierte die gläserne Decke, und Zeithistorikerin Margit Reiter sprach über die Arbeitsverhältnisse der wachsenden Gruppe freier Wissenschafterinnen.

Ina Wagner als zweite von heute neun Professorinnen an der TU angestellt, berichtete, dass bis zur "Ankunft" der folgenden Kollegin ganze zehn Jahre vergangen seien: "Wir haben um jede Frau hart gekämpft", sagte sie. Ohne den Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen wäre dies nicht möglich gewesen. Es sei schön zu sehen, dass es unter den Wissenschafterinnen einen Professionalisierungsschub gegeben hätte. Frauen hätten nicht nur gelernt, mit Macht und Erfolg positiv umzugehen, sie würden es verstehen - auch medial -, den Genuss an der Arbeit zu transportieren.

Plus und Minus

Es sei wichtig, präsent zu sein, um auch andere Frauen anzuziehen - die Bedeutung eines passenden Umfeldes sei vor allem bezüglich des Nachwuchses nicht zu unterschätzen. Es sei, so Wagner weiter, wichtig, Projekte mit hohem Frauenanteil zu fördern - die universitäre Frauenförderung sei schließlich Teil der "Leistungsvereinbarungen". Zudem empfahl sie - angesichts des "competitive funding" und "high standard research projects and centers of excellence" - das Entwickeln von Forschungsanträgen als Kompetenz zu unterstützen.

Wenige Top-Positionen

Der Gesundheitsbereich sei ein von Frauen dominierter, so Gabriele Fischer einleitend. Deren Positionierung wurde durch den 93-Prozent-Anteil an weiblichem Diplompflegepersonal verdeutlicht. Der Frauengesundheitsbericht 2005 gab nur sieben Prozent Frauenanteil an Universitätsprofessorinnen an medizinischen Fakultäten an. "Das entspricht einer Steigerung von 1,2 Prozent seit 1995", so Fischer trocken. Tatsächlich geht die Geschlechter-Kluft zwischen Studierenden und akademisch Beschäftigten eklatant auseinander: Während im Jahr 2000/2001 rund 58 Prozent der Promovierten Frauen waren, wurden 30 Prozent Assistentinnen registriert, 20 Prozent der Habilitationen stammten von Frauen, und keine Einzige wurde als Professorin berufen.

Fischer konstatierte das Fehlen von Fürsprecherinnen und Mentorinnen. Die Habilitation bezeichnete sie als "männerbündisches Initiationsritual", in der Männerwelt der Professoren würden Frauen als Fremdkörper betrachtet. Die Arbeit an Spitälern und Unis sei größtenteils frauenfeindlich, so Fischer.

Margit Reiter wiederum ist als freie Wissenschafterin auf Förderungen wie den ihr Ende April verliehenen Theodor-Körner-Preis angewiesen.

Als Selbstständige würde sie zwar das Prestige einer hoch qualifizierten Wissenschaftlerin genießen. Das aber stehe in keinem Verhältnis zu ihren Lebensverhältnissen.

Mehr als 5000 "Freie"

Das Einkommen freier Wissenschaftler würde nur 30 bis 50 Prozent eines fix Angestellten betragen. Rund 5000 Freie würden unter diesen Umständen "am Rande oder außerhalb der Universitäten" forschen, so Reiter weiter. Die berufliche Existenz würde daher mehr als nur ein "Standbein" erfordern, und die Problemstellungen seien vielfältige: Befristete Projekte würden kontinuierliche Forschung nur schwer möglich machen, auch sehe sie die Altersgrenze bei der Vergabe von Stipendien als Hemmnis: Zuerst würden die Forscher aufgebaut, um ihnen in der Folge die Basis zu entziehen, so Reiter. Diese "schwankende" finanzielle Lage sei für immer mehr "Externe" schwierig. Auch wenn die positiven Aspekte der Selbstständigkeit, wie jene der freien Zeiteinteilung und Themenwahl, genauso wie die Ungebundenheit zur Uni oft positiv erlebt würden. Oft sei dies ja auch nicht eine Frage der Wahl, sondern der Möglichkeiten. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Print, 14./15./16.5.2005)

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    Margit Reiter
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