Unruhe in Zentralasien

13. Mai 2005, 19:39
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Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Funke übergreift - von Gudrun Harrer

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Funke auch auf die Lieblingsdiktatur der USA in der Region übergreift - wobei allein, dass sich der rationale und kühle Präsident Islam Karimow prompt an den Ort der Unruhen begab, zeigt, dass er nicht zimperlich ist und sich von einer Revolution nicht so schnell aus dem Amt treiben lässt. Wen genau sie an die Macht bringen würde, ist ungewiss: Wenig weiß man über die Hintergründe der Männer, deren Inhaftierung die Unruhen ausgelöst haben, und selbst wenn es ein islamisch-politischer ist, so müssen die Islamisten nicht die zukünftigen Revolutionsgewinner sein. Auf die Bewegung können Kräfte aufspringen - in Kirgistan war es teilweise so -, denen es eher um die Neuaufteilung von Pfründen und weniger um Ideologien geht.

Aber ohne Zweifel ist der islamistische Untergrund in Usbekistan stark, wie auch anderswo in Zentralasien. Eine akute Verschlechterung der Lebensverhältnisse nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion, ein ideologisches und kulturelles Vakuum - und an der Spitze dieselben sattsam bekannten Figuren von früher: Der politische Islam hatte ein leichtes Spiel. Wobei extremistische Ansichten eher von außen in die Region, in der der islamische Mystizismus eine lange Tradition hat, kamen: vor allem mit wahhabitischen Missionaren aus Saudi-Arabien, die außer ihrer Radikalität viel Geld mitbrachten. Indem sie jede Art von Opposition verbaten und auch den "normalen" Islam kriminalisierten, bescherten ihnen die Regime einen garantierten Zulauf.

Und später kam auch noch die US-Präsenz dazu, in Usbekistan und anderen zentralasiatischen Ländern zwar fast unsichtbar auf Militärbasen - aber da ist ja auch noch Afghanistan. Die antiamerikanischen Proteste in Kabul - dem US-freundlichsten Ort des 2001 von den Taliban befreiten Landes - sind ein deutlicher Hinweis darauf, wie sehr es in der Region brodelt. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.5.2005)

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