Die alten "Blauen" sind bald wertlos

18. Mai 2005, 08:35
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Umtauschmöglichkeit läuft Ende August ab - Wechselbus der OeNB ist wieder auf Euro-Tour - "Klimt-Zwanziger"

Mehr als drei Jahre nach der Euro-Umstellung sind noch elf Milliarden Schilling in Umlauf. Für den alten Bertha-von-Suttner-Tausender läuft die Umtauschmöglichkeit Ende August ab. Der Wechselbus der Oesterreichischen Nationalbank ist deswegen wieder auf Euro-Tour.

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Wien - "Nein, Sir. US-Dollar können Sie hier leider nicht umtauschen." Martin Taborsky von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) wird gerade der einzige kleine Nachteil bewusst, den der Auftakt der Euro-Tour 2005 hat: Die mobile Zweigstelle, in der Schilling zu Euro gemacht werden kann, steht auf dem Michaelerplatz - einem der frequentiertesten Touristenplätze in der Wiener Innenstadt.

Doch die meisten Menschen, die Freitagvormittag bereits in einer langen Schlange vor dem Bus standen, waren schon richtig. "Eigentlich wollt ich mir den alten Schillingschein als Erinnerung aufheben, weil er so schön ist. Aber davon kann ich mir schließlich nichts kaufen", meinte eine ältere Dame und wachelte mit einem Bertha-von-Suttner-Tausender. Die 1970 ausgegebene und 1985 eingezogene Banknote kann nur mehr bis 31. August in 72,67 Euro umgetauscht werden, danach verliert sie endgültig ihren Geldwert.

OeNB vermisst noch 463.000 "Blaue"

Die OeNB vermisst immerhin noch 463.000 blaue Berthas. Insgesamt gibt es derzeit noch "ruhende" Schilling-Bestände im Gegenwert von rund 827 Millionen Euro (11,38 Milliarden Schilling). Wie viel davon bei der heurigen Euro-Tour hereinkommen werden, ist schwer abschätzbar. Ein Herr legte Freitag in Wien beispielsweise gleich 60.000 Schilling aufs Kassapult, durchschnittlich werden aber nur rund 1000 Schilling pro Person umgetauscht.

In den vergangenen drei Jahren nützten mehr als 200.000 Besucher in ganz Österreich die Gelegenheit, im Bus altes Geld loszuwerden, statt selbst den Weg in Filialen der OeNB zu machen. Dabei wurden bisher 113,5 Millionen Schilling in Euro gewechselt. Ab Dienstag tourt die mobile Zweigstelle durch die Bundesländer, erster Halt am Dienstag ist der Rathausplatz in St. Pölten. Die genauen Tourdaten finden sich auf der Internetseite der Nationalbank (siehe Webtipp).

Das Schicksal der Wertlosigkeit wird als nächstes den alten Hunderter mit Angelika Kauffmann treffen, dessen Präklusivtermin auf 28. November 2006 festgesetzt wurde. Nur die letzte Serie von Schilling-Banknoten vor der Euro-Umstellung, also Mozart, Freud und Co, bleibt unbegrenzt umtauschbar.

Klimt-Zwanziger

Wären 2002 nicht Euro und Cent dazwischengekommen, hätte es übrigens noch eine neue Schilling-Serie gegeben. Die Entwürfe dafür lagen schon fix und fertig in der Schublade von Robert Kalina, dem Banknoten-Chefdesigner der OeNB. Der nie auf den Markt gekommene Schilling-Zwanziger war im Stil von Gustav Klimt gehalten, samt einem Porträt des Malers.

Die meisten der zurückgegeben Banknoten befinden sich in einem bemerkenswert faltenlosen Zustand. Es habe aber auch schon Exemplare gegeben, die nicht mehr als Banknoten zu erkennen gewesen seien, so Taborsky: "Von Mäusen zerfressene Fuzeln oder Hundekot, mit der Behauptung, das Tier habe das Geld gefressen." Einmal sei ein Packen von Tausendern vorgelegt worden, der scheinbar nass und dann so hart wie Stein geworden war. Die OeNB beauftraget ein Labor, die Banknoten voneinander zu lösen. Mit Erfolg: der Besitzer konnte danach einen fünfstelligen Euro-Betrag mit nach Hause nehmen. (Michael Simoner, DER STANDARD - Printausgabe, 14./15./16. Mai 2005)

  • Der nie auf den Markt gekommene Klimt-Zwanziger. Der Euro kam der geplanten Schilling-Serie zuvor.
    foto: oenb

    Der nie auf den Markt gekommene Klimt-Zwanziger. Der Euro kam der geplanten Schilling-Serie zuvor.

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