Polizei schießt auf Demonstration

15. Mai 2005, 11:16
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Vier Tote, zahlreiche Verletzte - Proteste gegen Koranschändung im US-Gefangenenlager Guantanamo

Kabul/Washington - Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten sind in Afghanistan vier Menschen ums Leben gekommen und etwa 40 weitere verletzt worden.

Auslöser der Proteste war ein Bericht, wonach Soldaten auf dem US-Militärstützpunkt Guantanamo auf Kuba den Koran entweiht haben sollen. In der ostafghanischen Stadt Jalalabad zogen hunderte Studenten durch die Straßen und riefen "Tod für Amerika", "Tod für Bush", "Tod den US-Allierten" und "Tod für Karzai".

Karzai in Brüssel

Mit den Worten "Afghanistan ist ein demokratisches Land" reagierte der afghanische Präsident Hamid Karzai auf die Berichte über die Demonstrationen: "Die Menschen können auf die Straße gehen und ihre Meinung sagen". Das Staatsoberhaupt besucht derzeit die NATO-Zentrale in Brüssel.

Er glaube nicht, "dass die Afghanen die Amerikaner als Besatzungsmacht betrachten, sie sehen die Amerikaner als eine Macht, die den Terrorismus bekämpft und Afghanistan hilft.", so Karzai.

Lage außer Kontrolle

"Sie sind sehr wütend und über die ganze Stadt verteilt", sagte Geheimdienstchef Sardar Shah. Afghanische Polizisten hätten versucht, die Lage unter Kontrolle zu bringen, "aber ich glaube, das ist unmöglich", erklärte er. Die Sicherheitskräfte hätten zuerst Warnschüsse in die Luft abgegeben.

Die Demonstranten zertrümmerten Auto- und Schaufensterscheiben und schleuderten Steine auf einen US-amerikanischen Militärkonvoi. Die Protestierenden verschafften sich Zugang zu einem Gelände der Vereinten Nationen und steckten zwei Autos in Brand. Laut Augenzeugen soll der Amtssitz des Provinzgouverneurs in Flammen stehen. Die in der Stadt stationierten US-Truppen können derzeit ihre Basis nicht verlassen. Laut Augenzeugenberichten sollen sich US-Truppen zuvor am Vorgehen gegen die Demonstration beteiligt haben.

Auch in den Nachbarprovinzen Laghman und Khost kam es zu Protesten, die allerdings friedlich verliefen.

Koranschändung

Laut dem Bericht des US-Nachrichtenmagazins "Newsweek" (online nicht verfügbar) legten US-Soldaten im Gefangenenlager Guantanamo Exemplare des Koran auf Toiletten aus. In mindestens einem Fall sei "ein heiliges Buch im Klo heruntergespült" worden.

Das US-Außenministerium bezeichnete ein derartiges Verhalten am Dienstag als verwerflich. Sprecher Tom Casey sagte, die Vorwürfe seien ernst und müssten überprüft werden. (red/Reuters/APA/AP)

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    Demonstranten im afghanischen Jalalabad zünden eine Puppe mit der Aufschrift "Bush" an.

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    Bei den Ausschreitungen wurden mehrere Gebäude angezündet.

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