Päpstliche Umweltsünder verurteilt

3. Juni 2005, 17:13
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15 Tage Haft auf Bewährung wegen Elektrosmog durch Sendemasten von Radio Vatikan

Ein römisches Gericht hat zwei Betreiber des päpstlichen Rundfunksenders Radio Vatikan wegen Erzeugung von Elektrosmog und gefährlicher Strahlung verurteilt. Der für den Sender verantwortliche Kardinal Roberto Tucci und der Direktor des Unternehmens, Pater Pasquale Borgomeo, wurden zu je 15 Tagen Haft verurteilt - allerdings auf Bewährung. Beide müssen den klagenden Umweltschützern und Bürgerkomitees 30.000 Euro an Kosten erstatten.

Im Lauf des fünfjährigen Verfahrens hatte die Führung des Vatikans, der einen eigenen Staat darstellt, die Zuständigkeit italienischer Richter mehrmals bestritten. Vor dem Prozess hatte aber der oberste italienische Gerichtshof entschieden, durch den Standort der Antennen auf italienischem Boden sei sehr wohl die italienische Justiz zuständig.

Die Bewohner von Cesano nördlich von Rom klagen seit Jahren über Minderung ihrer Lebensqualität und über gesundheitliche Schäden durch die 50 riesigen, bis zu 100 Meter hohen Antennen des Senders, der pro Jahr 41.000 Stunden Programm auf UKW, Mittel- und Langwellen ausstrahlt.

Nach der Häufung von Leukämiefällen hatten eine Bürgerinitiative und mehrere Umweltschutzverbände Klage gegen Radio Vatikan erhoben. Durch die starke elektromagnetische Induktion hören die Bewohner der Gegend die religiösen Programme in Gegensprechanlagen, Telefonen, Fernsehgeräten und in einigen Fällen sogar beim Öffnen der Kühlschränke.

"Historisches Urteil"

Das Bürgerkomitee wertete die Strafe als "zu mild", sprach aber gleichzeitig von einem "historischen Urteil". Augusto Rossi, Vater eines an Leukämie erkrankten Mädchens, nannte den Schuldspruch einen "Triumph".

Die Verantwortlichen des Senders haben Einspruch gegen das Urteil angekündigt, für das ihrer Ansicht nach "jegliche rechtliche Grundlage fehlt". Direktor Borgomeo erklärte: "Wir sind nicht irgendein Privatsender. Wir haben eine Mission zu erfüllen."

Die Bewohner wollen nun in einem neuen Verfahren den Abbruch der Antennen erreichen. (Gerhard Mumelter/DER STANDARD, Printausgabe, 11.5.2005)

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