Zentralrat der Juden hat Vorbehalte gegen Holocaust-Mahnmal

10. Mai 2005, 16:03
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Spiegel: Denkmal selbst entzieht sich Frage nach dem "Warum" - Wertschätzung für Projekt betont

Berlin - Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hat Vorbehalte gegen das Holocaust-Mahnmal in Berlin geäußert. "Das Mahnmal selbst entzieht sich der Frage nach dem 'Warum' und enthält sich jeder Aussage über die Schuldigen wie auch über die Ursachen und Hintergründe der Kriegskatastrophe", sagte Spiegel am Dienstag zur Eröffnung des Mahnmals laut Redetext.

"In bester Absicht (...) wurde stattdessen die Vorstellung von den Juden als dem Volk der Opfer in 2.711 Betonstelen gegossen." In den "Ort der Information", der das Mahnmal ergänze, würden nicht alle Besucher kommen. "Auch aus diesem Grund wäre es wünschenswert gewesen, die Motive der Täter im Denkmal selbst zu thematisieren und damit eine unmittelbare Auseinandersetzung mit Tat und Täter zu ermöglichen", sagte Spiegel. Die Aussage des Mahnmals sei unvollständig geblieben.

Zugleich betonte Spiegel seine Anerkennung und Wertschätzung für das gesamte Projekt, das er als Ausdruck der Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft betrachte. Er unterstrich, dass es sich bei dem Mahnmal um das offizielle Denkmal der Bundesrepublik zum Gedenken an die Ermordung der europäischen Juden handle "und nicht - wie vielfach missverständlich dargestellt - um den zentralen Gedenkort der Juden in Deutschland". Dies seien für die Juden die israelische Holocaust-Gedenkstätte, ehemalige Konzentrationslager, Massengräber und Plätze der zerstörten Synagogen. Das Mahnmal dürfe nicht auf Kosten dieser "authentischen Orte" gehen.

Das "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" wurde am Dienstag mit einer Feierstunde eingeweiht. Dort sollten auch der deutsche Bundestagspräsident Wolfgang Thierse als Vorsitzender des Kuratoriums, der Architekt Peter Eisenman, die Publizistin Lea Rosh als Initiatorin und eine Holocaust-Überlebende sprechen. Das Mahnmal im Berliner Regierungsviertel besteht aus 2.711 in Reihen angeordneten Betonstelen unterschiedlicher Höhe und dem unterirdischen "Ort der Information" mit konkreten Angaben zum Hintergrund des Holocaust und über die Opfer. (APA/Reuters)

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