FMA warnt: Zu viele Fremdwährungs-Kredite von Privaten

24. Mai 2005, 17:58
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Finanzmarktaufsicht will Banken zu Infos zwingen - Kreditnehmer sollen Informationen bei ihren Banken künftig einklagen können

Wien - Die Finanzmarktaufsicht (FMA) schlägt wieder Alarm: Viel zu viele Fremdwährungskredite sind in Österreich durch private Haushalte aufgenommen. Österreich hält hier einen einsamen internationalen Spitzenplatz. Die - aktuell vor allem in Schweizer Franken - ausgeliehenen Summen erreichen alle paar Monate neue Rekorde. Und viele Kunden wissen viel zu wenig über die Risiken.

Das soll sich ändern: Per Gesetz sollen nach dem Willen der FMA-Spitze die Banken gezwungen werden, den Kreditnehmern mehr Informationen über die Risiken solcher Kredite an die Hand zu geben. Die Banken hatten freilich bereits bei einem ersten solchen Anlauf vor einer daraus resultierenden Kreditverteuerung gewarnt.

Auch IWF äußerte Sorge

Die FMA bleibt bei ihrer Forderung, die Informationspflichten drastisch zu verschärfen, eigene Verbraucherschutzbestimmungen im Bankwesengesetz (BWG) festzuschreiben. Praktischer Nebeneffekt: Die Kunden hätten dann einklagbare Tatbestände in der Hand. Und die Aufsicht selbst würde ermächtigt, stichprobenartig die Einhaltung der gesetzlichen Informationspflichten zu überprüfen.

Sorge geäußert hat zuletzt auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Er hat die wachsenden Summen der Fermdwährungsausleihungen als langfristige Quelle der Verwundbarkeit des österreichischen Finanzsystems bezeichnet.

Die FMA-Vorstände Heinrich Traumüller und Kurt Pribil berichteten am Dienstag vor Journalisten von zahlreichen Beschwerden betroffener kleiner Kreditnehmer, die sich unzureichend informiert und geschädigt fühlten. Die bisher festgestellten Schadensfälle seien zwar nicht "systemgefährdend", aber für die FMA doch Anlass, einen verschärften Konsumentenschutz einzufordern.

Ein "typischer" Fremdwährungskredit an einen Privathaushalt ist hypothekarisch besichert und hat eine Laufzeit von rund 25 Jahren.

19,7 Prozent aller Kredite in Fremdwährungen

Die Darlehen in Franken, Yen und Co haben zuletzt mehrfach Rekorde gebrochen: Im Juni 2004 waren in Österreich 19,3 Prozent aller Kredite in Fremdwährung vergeben, jetzt im März waren es sogar 19,7 Prozent. In Summe waren heuer Ende des ersten Quartals heuer 48,6 Mrd. Euro an Fremdwährungskrediten aushaftend. Ende 2004 waren es 47,8 Mrd. Euro gewesen, ein Zuwachs um 9 Prozent, während Euro-Kredite nur um 4 Prozent zunahmen.

90 Prozent der Summe waren Kredite in Schweizer Franken, während sich 2004 das Volumen in Yen-Krediten durch Währungsumschuldungen fast halbiert hat.

Während vor zwei bis drei Jahren noch primär die "Strukturvertriebe" für den Boom bei Fremdwährungsdarlehen verantwortlich gemacht wurden, ist dieser Kredit jetzt ein "Selbstläufer" in der Bevölkerung, wie die FMA feststellt. Vieles läuft über Mundpropaganda, vor allem die reinen Rückzahlungsraten des Nachbarn, Freunds, Kollegen, lockten, über die Risken wüssten viele nicht Bescheid. Die FMA spricht von einem "Herdenverhalten".

Mehr Informationen per Gesetz

Im Bankwesengesetz sollten nach FMA-Vorstellungen demnach genauere Informationen über Wechselkursrisiken, Zinsänderungsrisiken und Risiken der Tilgungsträger aufgenommen werden. Auch die Kosten eines Umstiegs von einer auf die andere Währung sollten aufscheinen. Einen Überblick über die Volatilität von Währungen sollten Tabellen über die Wechselkursschwankungen der letzten zehn bis zwanzig Jahre geben. Und schließlich sollte es verpflichtend einmal jährlich Performance-Informationen über den Tilgungsträger in einer Kontonachricht an den Kunden geben.

Dabei würde es die Aufsicht dann aber auch belassen. Ein gesetzliches Verbot von Fremdwährungskrediten will die FMA ausdrücklich nicht, das widerspräche einem liberalisierten Markt. Was man aber wolle, sei ein gesünderes Verhältnis zwischen Fremdwährungs- und Euroausleihungen. (APA)

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    Die FMA-Vorstände Heinrich Traumüller (l.) und Kurt Pribil berichteten von zahlreichen Beschwerden betroffener kleiner Kreditnehmer, die sich unzureichend informiert und geschädigt fühlten.

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